Sehen
Das Verantwortung des Sklaven
Besser Pimpern mit Professor Dr. Vögler
Worin liegt für eine Frau,
die die Domina in einer Paarbeziehung ist,
oder dem Herren
die tiefe Befriedigung?
Ist es,
wenn der Partner pariert,
oder ist es etwas anderes?
Nun,
diese Frage ist sehr einfach zu beantworten,
denn die Herrin bekommt einen Orgasmus
nicht an der Gehorsamkeit ihres Dieners,
sondern am Staubfleck,
den er übersehen hat,
also an der Renitenz,
die sie dann brechen kann.
Dort liegt der eigentliche Punkt verborgen.
Und das ist auch die Macht des Sklaven,
denn wenn er putzt
und alles sauber macht wie geleckt,
vielleicht noch mit seiner eigenen Zunge,
kleiner Scherz am Rande,
dann dient das nicht der Befriedigung,
sondern es ist der Moment,
den er absichtlich übersieht,
damit seine Herrin etwas zu meckern hat.
Und wenn es der Staub ist,
der gar nicht existiert,
den sie sozusagen irgendwo imaginiert,
herunterwischt,
mit dem Zeigefinger über der Tür entlang
und dann auf den nicht vorhandenen Staub pustet
und fragt,
siehst du mich noch?
Das war übrigens ein altes Spiel in der Armeezeit.
Ja,
Dominas können viel von Armee lernen.
Wenn also ein Sklave alles treu und ergebend macht,
dann ist das für eine Herrin
sehr unbefriedigend.
Nun könnte man sagen,
diese absolute Unterwerfung
führt zu einer Unbefriedigtheit,
die ja schon sozusagen
eine Potenz auf höherer Ebene ist.
Aber dieses Spiel kann man nicht sehr weit treiben.
Erotik ruht wie immer
auf der Kunst der Illusion.
Und die Kunst besteht darin,
so unterwürfig zu sein,
wie ein Sklave zu sein hat,
und so renitent,
dass die Bestrafung lohnt,
aber das Spiel erhalten bleibt.
Ein Sklave könnte ja absolut renitent sein
und sich dem Spiel verweigern,
das wäre ja sozusagen die höchste Form.
Aber dann bricht die Illusion zusammen.
Wenn der Dominante merkt,
dass der andere absichtlich etwas übersehen hat,
dann wird das noch dramatischer.
Das sind Dinge,
die kann man nur ein-, zweimal machen
und dann implodiert die gesamte Beziehung.
Weil Illusion niemals zerstört werden darf.
Und es ist ein Tanz auf dem Vulkan,
das zu beherrschen.
Man könnte sogar sagen,
dass der eigentlich Dominante
an diesem Punkt dann der Sklave ist.
Denn er muss das Ganze so orchestrieren,
dass es wirkt und funktioniert.
Aber auch die Herrin muss eine Kontrolle über die Situation haben.
Sie muss sich immer wieder neue Dinge ausdenken,
und das ist sehr anstrengend.
Das Sklavenleben ist weitaus einfacher
als das Herrenleben,
weil der Herr oder die Herrin
immer einen Schritt voraus sein muss
gedanklich.
Und darum sind auch wahrscheinlich so wenige dominant
und so viele devot,
weil das die einfachere Rolle ist.
Aber die Ausgeglichenheit
und gleichzeitig die immer wieder neue Erfindung
des ewig gleichen Spiels,
das ist die wahre Kunst.