Sehen
Das wahre Großstadtleben
Kennst du das Großstadtleben?
Viele träumen ja davon,
aber es kann auch zum Albtraum werden.
Stell dir vor, du wachst in deiner kleinen Wohnung auf.
Die Decken wirken niedrig
und die Wände stehen dir zu eng.
Aber du hattest für eine größere Wohnung kein Geld.
Und dann kommt's noch schlimmer.
Draußen ist grauer Himmel.
Kein Sonnenlicht versüßt dir den Tag.
Und wir brauchen das Licht.
Aber in Berlin ist ein grauer Himmel Alltag.
Der Kühlschrank summt leise vor sich hin.
Immerhin ein bisschen Essen ist drin,
aber das Toast schmeckt fad.
Und der Tag beginnt erschöpft,
bevor er angefangen hat.
Dann gehst du nach draußen.
Man muss ja zur Arbeit,
man muss ja etwas tun.
Nichts als Hupen,
Abgase,
hastige Schritte.
Die Pendler rempeln einen an,
ohne sich umzudrehen,
wem sie gerade den Ellbogen
in die Magengrube gehauen haben.
Die Ampeln scheinen auch
einem eigenen Rhythmus zu folgen.
Du bist auf der Mitte der Straße,
da ist es schon wieder rot.
Und nein, du bist keine Großmutter.
Du bist 25 Jahre alt
und in der Blüte deiner Jahre.
Und die Energie schwindet schon
auf dem Weg zur Arbeit.
Du drängst dich in die U-Bahn.
Viele Körper
und wenig Raum.
Eng.
Und es steigt dir ein Schweißgeruch
in die Nase.
Vom Nebenmann das billige Parfum
und von irgendwoher kommt ein beißendes Gefühl,
bis du merkst,
oh, da hat jemand richtig fette Zwiebeln
in seinem Döner
und die Knoblauchsoße tropft ihm aus der Hand
und es ist einfach nur fürchterlich.
Irgendjemand hustet,
alle schauen auf ihr Handy.
Jeder ist in seine eigene Welt versunken,
kaum Augenkontakt.
Es riecht nach Gummi
und jeder scheint angespannt zu sein.
Dein Magen reagiert gereizt
und die Laune sinkt noch weiter.
Und dann, erst auf der Arbeit.
Termine ohne Pause.
Irgendwelche Meetings,
auf denen stundenlang sinnloses Zeug gelabert wird,
woran man sich drei Tage später sowieso nicht mehr erinnert.
Und eine Frage drängt sich dir auf.
Ist das das Leben,
auf das ich gewartet habe?
Und in diesen stillen Momenten
bekommst du eine Vorstellung vom Meer,
von Wellen,
von Sand und Salzluft,
von einem ewigen Horizont.
Ein Bild von Weite und Ruhe.
Und ich meine nicht Urlaub,
sondern ich meine dein tägliches Leben.
Aber was ist die Realität?
Die Miete ist fällig,
der Chef schreibt E-Mails,
die dringend beantwortet werden müssen,
und das Meer bleibt eine Postkarten-Idee.
Und die einzige Frage,
die du hast,
ist die,
wie komme ich aus diesem Hamsterrad?