Sehen
Der Ehekontrakt
Gudrun war eine nordische Schönheit ganz eigener Art. Ihre langen blonden Haare trug sie in Zöpfen und ihre Statur war groß und stämmig, ohne dicklich zu wirken. Sie war körperlich kräftig und stark. Mit Lars hatte sie schon als Kind auf dem elterlichen Nachbargut gespielt, doch er war schon früh zur See gefahren und war jetzt ein hochrangiger Schiffsoffizier. Heute sollte er auf dem nachbarlichen Schloß seine Aufwartung bei ihr machen, denn ihre und seine Eltern – waren sich von jeher einig gewesen, daß Lars und Gudrun heiraten sollten, um beide nordischen Adelsdynastien zu verbinden. Doch Gudrun hatte schon vor Jahren verkündet, niemals heiraten zu wollen. Sie war gerade, wie Lars auch, 19 Jahre alt geworden. Lars war schon immer in Gudrun verliebt gewesen, und Gudrun mochte Lars auch sehr, allerdings weder als Liebhaber, noch als Bräutigam. Doch der Wille beider Elternpaare war Gesetz. Den starken Willen hatte Gudrun von ihrem Vater, und auch seine Körperkraft, steckte nicht nur in ihren Genen, sondern vor allem in ihren Muskeln. Schon früh hatte sie reiten, fechten und kämpfen gelernt, und als einziges Kind, war Gudrun Vaters ganzer Stolz. Lars war auch stark und er wähnte sich als Mann selbstverständlich stärker als Gudrun. Sie war ja nur eine Frau. Aber darum ging es heute, und das ließ ihn Gudrun lang und breit erklären: Sie würde sich nur dann dem elterlichen Geheiß beugen, wenn Lars unter Beweis stellte, ihr körperlich überlegen zu sein. Das kostete Lars innerlich nicht mehr als ein Lächeln, und als geübter Marinesoldat und Offizier, dünkte ihn sein Sieg sicher. Allein er war um wenige Zentimeter kleiner als Gudrun. Er trug eine weiße Uniform. Nicht Adelstitel, nicht Rang, nicht Geld, nicht Schönheit konnte Gudrun bei einem Mann beeindrucken, sondern allein seine Körperkraft. Denn dann wäre sie sich auch darüber einigermaßen sicher, daß er im Bett ebenso seinen Mann stehen könnte. Endlich war es soweit. Lars pochte an Gudruns Gemach, daß hell, groß und prunkhaft war. Gudrun rief ihn herein, und so standen sich die beiden jungen Leute gegenüber, die sich seit sieben Jahren nicht mehr gesehen hatten. Sie waren allein in dem geräumigen Raum, dessen Mitte von Möbeln frei war, kein Bediensteter war anwesend. Beide wußten worum es ging, beide hatten sich darauf eingestellt – daß es jetzt gilt. Lars trat ein paar Schritte auf Gudrun zu, so daß er direkt vor ihr stand. Sie trug nur ein Fechtertrikot und leichtes Schuhwerk. Wie aus dem Nichts schlug Gudrun Lars mit der Faust so heftig ins Gesicht, daß ihm ein Backenzahn ausbrach und gleichzeitig Blut aus seinem Mund spritzte. Lars wollte noch seine rechte Faust erheben, aber Gudrun versetzte ihm einen zweiten Schlag in seine Magengrube und so klappte er wie ein Klappmesser nach vorn zusammen. Das ging alles so furchtbar schnell, daß Lars nicht mehr richtig wahrnehmen konnte, wie Gudrun, als er so erledigt auf dem Boden lag, ihm nicht nur seine Uniform, sondern ihn gänzlich, bis zur Nacktheit auszog und ihn herübertrug zu ihrem großen Bett. Und während er noch in heftigen Schmerzen auf dem Rücken lag, sah er wie sie sich entkleidete und auf ihn zukam. Nackt und stark und schön, lächelte sie auf ihn herab. Sie setzte sich rittlings auf seinen nackten Körper und suggerierte einen Zeugungsakt, wobei sie ihm weitere Schmerzen verursachte, denn an eine Erektion war bei Lars nicht zu denken. „Ich habe dich besiegt, mein Lars, und ich bräuchte dich jetzt nicht mehr zu heiraten, aber ich habe es mir anders überlegt. Ich habe nur eine Bedingung. Bei unseren ehelichen Pflichten, beim Liebesspiel, oder wie auch immer wir es nennen wollen – werde ich stets oben liegen und du unten!“ Lars fühlte sich wie ein Mann, der von einer Frau vergewaltigt wurde –, unterdrückt und gedemütigt, aber wenn Gudrun von seiner Niederlage nichts nach außen dringen lassen würde, so würde er sich einverstanden erklären. Gudrun willigte in seinen Wunsch ein und beide wurden ein Hochzeitspaar.