Sehen

der idiotische Meister der verpassten Gelegenheiten

Charles Haiku

Ach, dieser arme Tropf,
dieser absolute Volltrottel der Nation!

Da steht er nun, mitten im Leben,
und die Welt serviert ihm
die geilsten,
willigsten Mösen
auf dem Silbertablett –
feucht,
einladend,
praktisch mit Schleife drumrum
und einem Schildchen
„Nimm mich, du Held!“.

Jede zweite Frau in seiner Nähe
spreizt schon die Beine,
sobald er nur
den Raum betritt,
die Luft knistert
vor purer,
hemmungsloser Bereitschaft.

Man könnte meinen, er badet in einem Ozean
aus nackter,
stöhnender Weiblichkeit,
wo eine nach der anderen
nur darauf wartet,
dass er endlich zugreift,
zustößt,
sie durchvögelt
bis der Arzt kommt.

Und was macht unser Genie?
Was beschäftigt
diesen hochbegabten Frauenschwarm,
diesen König der Verdrängung,
diesen Meister
der verpassten Gelegenheiten?

Er hockt stundenlang
in seinem Keller,
pinzelt mit zitternden Fingern
winzige Kreuzungen
auf Modellflugzeuge
aus dem Zweiten Weltkrieg –
natürlich streng
im Maßstab 1 zu 50!

Da sitzen sie dann,
seine geliebten Messerschmitts
und Spitfires,
peinlich genau bemalt,
während oben
im echten Leben
echte Titten wippen
und echte Lippen
nach seinem Schwanz lechzen.

Man möchte ihm eine reinhauen
und gleichzeitig bemitleiden:
Junge,
die Frauen werfen sich dir
förmlich vor die Füße,
sie betteln praktisch
um einen harten,
gnadenlosen Fick –
und du?

Du bastelst an einer Miniatur-Luftwaffe herum,
als gäbe es morgen
den nächsten Blitzkrieg!

Dein bestes Stück verstaubt,
deine Eier werden langsam blau,
und die einzige Explosion,
die du noch erlebst,
ist wenn dir
der Sekundenkleber
auf die Finger tropft.

Während andere Kerle
in seinem Alter
schon ganze Harems
durchgenudelt haben,
zählt er Nieten
an einer Plastikbombe.

Die Nachbarin liegt nachts wach
und fingert sich einen,
weil sie von ihm träumt –
und er?

Er freut sich wie ein Kind,
wenn die kleine Propellerattrappe
endlich richtig dreht.

Tragisch. Episch tragisch.

Ein Mann, dem das Schicksal
die pure,
rohe,
animalische Lust
vor die Nase knallt –
und er riecht nur
den Geruch von Plastikkleber
und verpasstem Leben.

Bleibt nur zu hoffen,
dass ihn irgendwann
eine besonders dreiste,
besonders geile Vertreterin
der willigen Mösen-Fraktion
einfach packt,
ihm die Modellbau-Schürze
vom Leib reißt
und ihm zeigt,
was ein echter Sex-Sechskampf ist –
ohne Kleidung,
ohne Rücksicht auf Verluste
und kaputte Kondome.

Nur roh, nass
und bis zum Anschlag den Finger in seinem Arsch
und die Prostata gemolken.

Dann könnte selbst aus diesem Trottel
noch ein Mann werden.

Oder er bleibt eben
der ewige König
der verpassten Gelegenheiten –
mit einer perfekten Modell-Luftflotte
und einem Ständer,
den nie jemand
zu spüren bekam.

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