Sehen
Der Morgen danach
Besser Pimpern mit Professor Dr. Vögler
Viele Männer
haben ihr Single-Dasein
genossen.
Konnte man doch problemlos
eine Affäre eingehen,
etwas Unverbindliches
oder einen One-Night-Stand.
Aber wie sieht es eigentlich aus,
wenn der Mann verheiratet ist?
Wenn er in einer festen Beziehung steckt
und morgens neben der Geliebten aufwacht,
sie schläft noch.
Draußen weht der Wind
oder es schneit,
es ist früher Morgen
und er weiß,
er muss nach Hause.
Und zu Hause wartet die Ehefrau
und die Kinder
und die Frau wird fragen,
wo warst du?
Und die Kinder erwarten
einen ganz normalen Vater.
Tja, da muss gelogen werden,
dass sich die Balken biegen.
In der ersten Phase
ist so eine Affäre
wie ein neues Leben.
Mein Gott, Verliebtheit
und eine körperliche Anziehung,
die man schon lange
nicht mehr gespürt hat.
Das Gefühl von etwas Neuem,
etwas Frischem.
Männer machen in dieser Phase
große Pläne,
erzählen,
wie sie wegziehen,
neu anfangen,
alles hinter sich lassen
und Versprechen werden ausgesprochen
und so ernst sie auch gemeint sein mögen,
im Endeffekt werden sie
äußerst selten gehalten.
Aber kommen wir zurück.
Der Morgen ist nüchtern,
er steht also auf,
er zieht sich an
und die Kleider tragen noch
den Geruch der vergangenen Nacht. Und mit dem Anziehen
sickert auch ins Gehirn
die Verantwortung zurück.
Das Problem ist, sein Zuhause ist kein zweites Liebesleben,
sondern dort lauert der Alltag.
Einkäufe und Rechnungen,
Kinder in den Kindergarten bringen
oder zur Schule,
der Smalltalk am Esstisch,
also ganz normales Familienleben.
Nehmen wir mal an, der Mann schafft es,
seiner Frau
eine glaubwürdige Geschichte aufzutischen,
weil die Frage ist nicht,
ob die Frau die Geschichte schluckt,
sondern wie Frauen
in der Affärenrolle reagieren.
Manche weinen, manche hoffen,
dass er bleibt.
Andere sind nüchtern
und wissen,
dass die Affäre nicht hält
und lassen den Mann
ohne Szene gehen.
Manchen Frauen ist die Situation klarer
als dem Mann selbst,
aber nur einigen,
nicht allen.
Viele Frauen erliegen auch der Illusion,
sie sind die neue Ehefrau
und malen sich ein Leben
mit dem Mann aus,
während sie jahrelang
nur Zweitfrau sind.
Und der Mann?
Schuldgefühle stellen sich ein.
Die Frage, war es das wert?
Gleichzeitig die Sehnsucht
nach der nächsten Begegnung,
denn es ist ja verboten
und das Verbotene lockt
und reizt.
Und der Alltag wirkt
nach so einer Nacht
besonders fad. Aber andererseits,
sobald er zu Hause angekommen ist
und er Frau und Kinder umarmt,
ist die Geliebte
nur noch eine Erinnerung.
Innerlich bleibt sie aber präsent.
Und die große Frage ist,
lohnt sich der Rausch einer Nacht,
wenn der Morgen danach so schwer ist?