Sehen
Der Verlust
Es ist ein echter Verlust.
Ich habe sie sofort geliebt.
Alles an ihr habe ich geliebt.
Bewundert, berührt,
gekostet –,
immer wieder angeschaut.
Ihre Augen. Ihr Gesicht.
Ihren Körper.
Ihre wunderschöne Seele –,
die ich so intensiv gespürt habe.
Wie ihr Lächeln. Es ist ein echter Verlust.
Aber was hätte ich tun können?
Ich habe es nicht gewollt.
Ich habe sie nur beobachten wollen –
wie ich sie immer gerne angeschaut habe.
Durch den Spalt in der Wand.
Sie wußte das nicht.
Vater hat sie nicht besonders gemocht.
Sie war auf einmal einfach nur da.
Was hat sich Vater nur dabei gedacht?
Ich habe das nie verstanden.
Sich eine Frau zu nehmen,
anstelle seiner verstorbenen Frau.
Einfach nur aus praktischen Gründen.
Für den Hof,
die Tiere und die Kinder.
Meine zwei kleinen Geschwister
sind ja noch klein, ja,
aber so klein auch wieder nicht.
Und schon in den ersten Tagen
habe ich erkannt,
daß Vater sie körperlich nicht sah,
nicht anerkannte.
Zu sehr trauerte er um Mutter –,
konnte sich keine andere Frau
in seinen Armen denken.
Und sie, so jung und –
ja, eigentlich auch gar nicht schön –,
schickte sich in den landwirtschaftlichen Alltag.
Doch sie war Gold wert.
Ihr sanftes Wesen
hat mich gleich zu Anfang berührt.
Sie hat es gespürt.
Sie war nur vier Jahre älter als ich.
Vater hatte keine Ahnung –,
der Bauer.
Es begann mit meinen Blicken,
die ich ihr schenkte –
und die sie verschämt lächelnd erwiderte.
Am Abend, nach getaner Landarbeit
auf dem Feld und im Stall,
versorgte sie die beiden kleinen Mädchen.
Brachte sie zu Bett
und machte sich in der Wohnküche
an eine Handarbeit.
Vater las noch ein wenig in der Zeitung
und ging dann immer früh zu Bett.
Irgendwann wurde diese Zeit –
nachdem Vater zu Bett ging –
unsere Zeit –,
und die wir draußen verbrachten.
Doch zuvor mußte ich um sie werben.
Es hat so lange gedauert,
bis aus meinen verschämten Annäherungsversuchen
eine erste Berührung stattfand.
Wir saßen Abends bei Mondschein am Fluß
und hielten Händchen.
Es hat Wochen gedauert
bis zu einem ersten Kuß.
Doch dann hat sie die Initiative ergriffen
und es ist dann auch draußen
auf der Wiese im Dunkeln geschehen.
Sie zog ihr geblümtes Sommerkleid
über ihren Kopf,
stand in Büstenhalter und Schlüpfer –
vom Mond beschienen –
vor mir,
und während ich mich auszog,
zog sie ihren Schlüpfer aus.
Den Büstenhalter durfte ich ihr selbst ausziehen.
Da lagen wir aber schon im Gras.
Sie duftete so herrlich nach reifer Frau!
Ich glaube in den ersten Minuten
habe ich nur an ihr gerochen.
An ihrem Kopf, an ihrem Busen.
Dann führte sie meinen Kopf
zwischen ihren Beinen
und ich sollte ihr Geschlecht küssen und lecken.
Das tat ich nur allzu gerne.
Ich war im Himmel.
Ihre kräftigen Schenkel dabei zu streicheln
war einfach –
wie soll ich sagen –
magisch!
Ihre Innenschenkel zu küssen
und dann immer wieder hoch
zu ihrem Lustzentrum.
Dieses nasse süße rosige Fleisch!
Diese Perle.
Und ein paar Tage später
hat sie es auch bei mir gemacht –
bis zum Überlaufen.
Und dann kamen die Tage unserer Vereinigungen.
Unvergeßlich.
– Bis zu dem Tag, wo Vater etwas gemerkt hat.
Ob er von dem Spalt in der Wand
schon lange gewußt hat?
Zwischen ihrem Schlafzimmer und meinem.
Ich hatte immer mehr daran rumgefeilt,
weil er anfangs viel zu schmal war.
Da konnte ich kaum was sehen.
Ja, und dann wurde er immer etwas breiter,
von Tag zu Tag.
Vater schlief ja immer tief und fest
als sie zum Schlafengehen
sich bei Kerzenlicht auszog
um sich dann zu Vater ins Bett zu legen.
Diese wunderbaren Minuten
habe ich tagtäglich herbeigesehnt.
Sie ahnte nichts davon,
daß ich sie beobachtete.
Ahnte nicht, daß ich sah,
wie sie sich nackt gern berührte –
ihre Brüste streichelte,
sich zwischen die Beine rieb –
alles vor dem großen Spiegel.
Und dann erst, nach etwa zehn Minuten,
die Kerze auspustete
und sich schlafen legte.
– Ja, und dann kam das mit dem Spalt heraus.
Vater mußte ihn zufällig gesehen haben,
hatte erst nichts gesagt
und uns aufgelauert.
Sie, beim abendlichen Ausziehen
und sich berühren –
und mich,
wegen dem schwachen Lichtschein
der durch den Spalt schimmerte.
Ob er auch was von meinem Auge gesehen hat,
weiß ich nicht.
– Jedenfalls wurde sie tags darauf
einfach vom Hof gejagt.
Vater hatte sie ja nicht geheiratet,
nur so als Lebensgefährtin
und als eine Art bessere Magd genommen.
– So ein Verlust!