Sehen

Der Wind weht von allen Seiten

Ferdinand Freiherr von der Ferne

Himmelblau.
Wenn ich dich sehe,
wie du die Straße entlang gehst,
einen hellgelben Strohhut auf dem Kopf
und voller guter Gedanken,
und junge Männer dir nachpfeifen,
weil du so hübsch bist,
dann will auch ich dir nachpfeifen,
obwohl ich neben dir gehe
und du dich bei mir eingehakt hast –;

wenn ich dich in das nächste Lokal einlade,
wo wir beide einen trockenen Martini trinken,
mit dem Wirt über das Wetter
und den lieben Gott sprechen
und du aufstehst
um dorthin zu gehen,
wo Frauen bekanntlich ihre Nase pudern –;

und wenn du dann wieder erscheinst,
und dich von hinten,
von oben herab,
ein wenig über uns beugst –
denn der Wirt hat sich auf deinen Stuhl gesetzt –
ist es dem Wirt mulmig,
in deinen offenen Ausschnitt zu sehen;
doch du bist so frech und frei,
ihm vor seiner Nase dein Kleid zu öffnen
und ihm mit beiden Händen deine Brüste herauszuholen
um sie ihm anzubieten –;

wenn du dann einfach einen Zehner
auf den rohen Holztisch klatschst,
und das Geräusch im ganzen Laden
aufhorchen läßt,
samt dem Wirt,
der jetzt verwirrt,
und wie gelähmt ist,
wegen deiner Brüste die er gesehen hat,
und nichts sagen konnte,
ist das alles so,
wie ich dich kenne –
du bist wie ein Kind,
das zu sehr verwöhnt worden ist –;

von seinen Eltern, Großeltern
und von seinem eigenen innerem und äußerem Reichtum –;

innen die Freude und Begeisterung für das Leben
und die grenzenlosen Interessen –,

außen die Schönheit
und die Anmut,
die es noch nicht spürt –;

wenn du aber draußen mit mir weitergehst,
Hand in Hand,
oder Arm in Arm,
und weitere Männer dir nachpfeifen,
dann bin ich glücklich dich zu haben,
dich lieb zu haben –,
ja, denn du gehörst dir ganz allein –;

und wenn wir dann an den Strand angelangt sind
und du mich aufforderst
mit dir ins Meer zu springen
um ein Stück weit rauszuschwimmen,
dann bin ich sofort dabei,
denn ich liebe deine Spontanität –;

und wenn wir dicht am Wasser sind
und unsere Füße schon naß werden
und ich von dir aufgefordert werde
mich auch auszuziehen,
da du schon längst nackt vor mir stehst
und mich auslachst –,

dann schreie ich ins Meer hinaus
so laut ich kann,
und schreie von deinen Augen
die mich zu Tränen rühren,
von deinen Brüsten
an die ich saugen will,
von deinen Haaren
in die ich meine Nase,
mein Gesicht einfühle,
von deinem nackten Arsch
in den ich meine zehn Finger eingrabe
und dabei in deinen Bauchnabel lecke –;

und wenn ich dich auf mir spüre –
mit deinem ganzen nackten Gewicht –,
dann werde ich die Augen schließen
und ich werde im Meeressand
ein Stück weiter einsacken –
und nachfühlen.

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