Sehen
Die Anbetung
Ja, der weibliche Rückenakt – sitzend,
ohne Arme und Kopf –
assoziiert ein Cello.
Man Ray hat es uns deutlich gezeigt.
Bei mir ist das ähnlich,
in Bezug auf Gloria,
und ich könnte es euch zeigen!
Ihr solltet sie mal sehen,
nackt, von hinten.
Aber genauso!
Ich bin jedesmal wie gelähmt –
körperlich.
Ich bin halt Romantiker!
Geistig und emotional
kann ich es nicht in Worte fassen.
Es ist eine Art magisches Hingezogensein.
Ich möchte mich dann
auf die Knie werfen
und beten.
Ja, anbeten möchte ich
dieses leibhaftige Bild.
Und ich will mit diesem Bild
etwas tun,
es kann ja nicht einfach so
vor mir sein
und nichts geschieht damit.
Diese formvollendete
weibliche Schönheit –
allein von hinten.
Und jetzt kommt´s: Meine Obsession ist dabei ja die,
daß ich sie von vorn
noch weitaus schöner finde.
Eine schöne nackte Frau
ist für mich
das Nonplusultra
jeglicher Ästhetik.
Und gerade der Rückenakt –
der Rückenakt von Gloria –,
versetzt mich jedesmal aufs Neue
in diesen Zustand der Zwangsvorstellung:
„Gloria, dreh dich bitte um – zu mir!“
(ihr müßt wissen, Gloria ist Anfang 30,
eine üppige Brünette
von mittlerer Größe –;
ihre Haut ist sehr hell
und makellos –;
sie hat ein sehr hübsches Gesicht)
Gloria tut mir gern
diesen Gefallen.
Sie schaut mich direkt an,
dann dreht sie sich um
und zieht sich vor mir aus.
Ihre Schuhe, ihr Kleid,
ihre Strumpfhose
und ihre Unterwäsche.
Dann steht sie aufrecht bloß da.
Sie weiß, daß ich sie
von hinten
mit diesen speziellen Gefühlen betrachte.
Ich bin Fotograf.
Ich fotografiere dann
ihre Rückenansicht –
der mich als Künstler irritiert,
einfach irritiert!
Dann gehe ich dicht an sie heran
und küsse
ihre rechte Schulter.
Das ist das Zeichen,
daß sie sich in etwa einer Minute
umdrehen soll – zu mir.
Diese geschätzte Minute
ist jedesmal unterschiedlich.
Mal kann ich es kaum aushalten
bis sie sich umdreht –
und dann wieder will ich
diese Vorfreude länger auskosten.
– Und dann… dann, wenn diese geschätzte Minute um ist,
und sie sich langsam zu mir umdreht –
ist es:
Magie pur!
Gloria ist für mich
die schönste Frau
die es geben kann.
Ihre langen braunen Haare
sind fast schulterlang,
voll und leicht gewellt.
Sonst ist sie so nackt
wie es nur geht.
Ja, sogar ihre Schamhaare
sind vollkommen entfernt.
Sie steht dann da wie als würde sie eine Uniform tragen
und Aufstellung machen –
so stramm und gerade.
Hände seitlich an ihren Schenkeln.
Ihr Kopf leicht erhöht,
die Augen geradeaus –
ins Irgendwo.
Die ersten Minuten kann ich nur schauen,
schauen und fasziniert sein,
fasziniert von einer Schönheit
die ich niemals begreifen werde.
Dann, wenn ich zu fotografieren
beginnen möchte,
zittere ich zunächst.
Die Kamera steht zu Anfang zwar
auf einem Stativ,
aber meine Hände,
meine Finger zittern.
Irgendwann legt sich das
und ich kann meine künstlerische Arbeit beginnen.
Die Fotos sind selbstverständlich
in Schwarzweiß.
Und die Ergebnisse –
die jedesmal anders ausfallen, sind –,
auch selbstverständlich:
zum ehrfürchtigen Niederknien.