Sehen

Die beiden Vampirinnen

Ferdinand Freiherr von der Ferne

Ist euch schonmal eine Vampirin begegnet?
Dann seid froh,
denn es ist kein Spaß,
es kann euer Leben kosten.
Zumindest euer bisheriges.

Und ich, ich hatte sogar gleich mit zwei Vampierinnen
das ungute Vergnügen.
Das ging so:

Letzte Woche, ich wollte mal rüber zum Bahnhofsviertel,
da unter den Zugtunnel,
da wo sie immer stehen…
Ihr wißt schon.

Nur mal schauen. Nix machen.
Oder machen lassen.
Hab ich ja auch noch nie.

Ich würde mich das nicht trauen,
man hört ja so manch Übles davon.

Es sind auch alles so seltsame Gestalten,
so aufgetakelt,
die Männer zu locken –,
aber so billig,
so, –
wie soll ich sagen,
die können ja nix dafür,
wasweißich wie sie hier landen konnten.

Ich könnte das als Frau unter keinen Umständen.
Nicht mit vorgehaltener Knarre….

Aber zur Sache. Ich gehe so wie zufällig
und auf gehörigem Abstand
an den Damen entlang.

Einige rufen mich zu sich heran,
aber ich bleibe auf Abstand,
mein Herz geht wie blöd
und ich versuche möglichst schnell
diese Meile durchzulaufen.

Doch kurz vor Ende,
stehen noch zwei Frauen
die irgendwie anders aussehen als die anderen.

Beide sind ganz in Schwarz gekleidet,
mit kurzen Lederröcken
und oben rum mit knappen schwarzen Korsagen.
Schwarze Nylons.
Schwarze Haare.

Das irre war, die eine jung,
die andere alt.
Ich schätze so Anfang 20
und Mitte 50.

Schwarze Lippen. Lächeln mich verlockend an.
Fragen mich,
ob sie beide mich beglücken dürften.

Ich schau sie mir näher an –
und sehe,
daß es wirklich wunderschöne Frauen sind.
Alle beide.

Die Ältere sagt mir,
sie seien hier erst seit ein paar Tagen,
und gleich hier gegenüber,
sei ihre neue Wohnung.

Den üblichen Preis für uns beide.
Die junge nickte nur.

Warum ich so mutig war,
mich darauf einzulassen,
weiß ich nicht –,
ich bin schließlich mitgegangen.

Und in ihrer Wohnung entwickelte sich dann
ein gefährliches Spiel.

Sie wiesen mich an mich zu entkleiden
und mich auf das große Bett zu legen.

Dann entkleideten sich die beiden ebenso,
und die Ältere flüsterte mir
süße fesselnde Worte ins Ohr,
ich möge mich entspannen,
die Augen schließen
und sie machen lassen.

Dann fesselte sie mir die Hände
an den Bettpfosten,
doch außer,
daß ihre Hände eiskalt waren,
dachte ich mir noch nichts dabei.

Ich schaute mir beide an.
Zwei wunderschöne nackte Frauen!
Welch schöne Sachen mögen wohl jetzt beginnen.

So dachte ich noch,
als beide mir ein Lächeln boten,
das mich erzittern ließ.

Als ihre Lippen sich dabei
über ihre schneeweißen Zähne stülpten,
zeigten sich je zwei überlange Eckzähne.

Klar, das waren Vampirinnen.
Doch wollte ich sowas natürlich nicht glauben.

Ich dachte an eine Art makaberen Scherz.

Dann näherte sich die Ältere,
beugte sich zu mir herunter,
ihre rechte Hand griff mir zwischen die Beine,
so daß ich vor Schmerzen aufschrie –,
was sie nur dazu anstachelte
mit ihrer linken Hand in meine Haare zu greifen,
meinen Kopf nach hinten zu drücken
um meinen Hals freizulegen.

Ihr weit geöffneter Mund
mit den bedrohlich langen Eckzähnen,
näherte sich meinem Hals.

Doch bevor sie ihre blutrünstige Tat ausführen konnte,
packte die Junge sie an den Haaren
und riß sie von mir weg.

Und dann folgte ein Schauspiel,
daß ich mein Lebtag nicht vergessen werde.

Die beiden Vampirinnen zischten sich grauslich an
und begannen einen Kampf,
währenddessen sie sich Flüche
in teils fremder Sprache
an den Kopf warfen.

Beide schienen etwa gleichstark zu sein,
denn keine konnte als schnelle Siegerin hervorkommen.

Erst nach einer gefühlten halben Stunde,
siegte die Jüngere über die Ältere,
die sich – oh Wunder –
demütig geschlagen gab.

Sie zog ihre Kleidung an
und verließ das Zimmer.

Die Jüngere aber, wollte mich nicht losbinden.

Sie sagte mir was von einem neuen,
frischen Leben,
was sie mir bescheren würde,
ein Leben was für sie
und für mich nie mehr aufhören würde,
und ihr schwerer keuchender Atem,
der nach Friedhofserde roch,
drang meinem Gesicht entgegen.

Ich schrie nur noch NEIN!!! –
doch sie hörte nicht darauf,
setzte sich rittlings auf mich,
auf mein erigiertes Geschlecht –
ja, es war steif aufgerichtet!

Und so begann ein Ritt für sie,
der darin endigte,
daß es mir gekommen ist,
während sie mir einen blutigen Biß
in den Hals antat,
und mein Blut saugte.

Doch überschüssige Rinnsale rannen
auf meine Brust,
die sie zum Ende hin
noch gierig aufleckte.

Ja, seither bin auch ich einer von Ihnen.

Ich stehe weiterhin nur auf Frauen.

Liebe Frauen, hütet euch vor mir –;
ich will mehr als nur Liebe mit euch machen…!

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