Sehen

Die chronische Morgenlatte

Charles Haiku

Jeden Morgen um halb sieben
in Deutschland rüttelt die chronische
Morgenlatte jeden sexuell unausgelasteten Mann
mit einem dreifachen "Hallo,
ich bin geil, ich bin geil
ich bin geil" aus dem Schlaf
heraus.

Gähnen, Körper strecken und mit
ein paar geübten ruckhaften Handbewegungen
die Morgenlatte melken, welche ungeniert
gegen die Bettdecke klopft.
Nun gut, für ein paar Stunden
gibt sie Ruhe.

Doch spätestens auf Arbeit, wenn
die kurzberockte Praktikantin mit
der Oberweite XXL durch den Flur
tänzelt, ist es damit vorbei.

In der viel zu engen Hose
schreit eine hungrige Mittagslatte:
"Mahlzeit. Ich will Fleisch. Ich
bin geil auf frisches junges
Praktikantinnenfleisch mit großen Brüsten
und einem großen Lutschmund."

Spätestens an dieser Stelle sollte
klar sein, so kann es
nicht weitergehen.

Ein reales Weib muß her.
Und zwar möglichst schnell, willig,
preiswert und ohne nervende Verpflichtungen.

Die Kolleginnen scheiden genauso aus
wie die Nachbarin.

Partys vielleicht, doch im Moment
ist keine geplant und die meisten
kommen sowieso mit ihrem Freund.

Hoppla, was bleibt da noch
übrig?

Die Mittagslatte reibt sich an
der Jeans und verlangt eine Lösung.

Da der rettende Gedanke.
Annoncen! Warum nicht!

Schamesröte steigt ins Gesicht.
Puuh, Annoncen, das ist doch
was für Loser.
Nicht mein Niveau.

Doch hat nicht andererseits, die
schicke Manuela ihren Mann auf
diese Weise gefunden?

Nur rein informativ und um so
zum Spaß, wäre es doch durchaus
denkbar auf diese Methode zurückzugreifen.

Es ist zweifelsohne eine vollkommen
unverbindliche Art neue Bekanntschaften zu
schließen.

Wenn sie einem nicht gefällt,
kann man aufstehen, gehen und
sieht sie nie wieder.

Toll. Jawohl.

Schnell das Heft mit den
Anzeigen aufgeschlagen, Rubrik Bekanntschaft,
denn nur hier geht es um
Sex.

Also mal schauen: "Rubensfigur sucht..."
- zu Fett, weiter -
"zärtliche Schmusekatze..."
- ich will Sex und kein
Fell kraulen, weiter -
"Nichtraucherin..."
- ich brauche meine Zigarette danach,
weiter -
"attraktive, gestandene Frau mit Durchblick..."
- trägt eine Brille und muß
sich zehn Jahre jünger schminken
und weiter geht’s nicht.

Die chronische Mittagslatte droht
in der Hose zu explodieren.

Warum nicht mal eine Professionelle?
Eine leckere Thai oder ein
tabuloses polnisches Strapsmodell.

Jasmin, unbeharrt und schüchtern
wäre auch nicht schlecht.

Halt was ist das? Gitti und Erika, das ist
ein Duett!

Nicht mehr so frisch, aber fit
und adrett und das Gebiss
ist auch noch komplett.

Zwischendurch ein heißer Kuss,
Falten sind ein Hochgenuss.

Die Augen schon trübe und zitternd
der Gang.

Zwei rüstige Rentnermodelle bitten sehr
zum Empfang.

Oh mein Gott, Rentnersex!
Dafür auch noch Geld ausgeben?
Niemals.

Die Mittagslatte ist bei der
berechtigten Frage, ob diese Damen
bei einem Blow-Job ihre Prothese
im Mund behalten oder nicht,
empört in sich zusammengefallen.

Tief durchatmen. Glück gehabt.

Denn merke: Hilf dir selbst,
dann hilft dir Onan.

Das ist billiger, man muß nicht
in der Kälte nach Hause gehen
und fängt sich keine Krankheiten ein.

Und aus diesem Grund bleiben Sie
immer sauber, moralisch und anständig
und grüßen Sie mir alle,
die Sie barfuß treffen.

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