Sehen

Die erotische Welt der Körpersprache

Charles Haiku

Nehmen wir an, Sie verbringen
Ihren Urlaub in Paris.

Sie sind vom Bummeln etwas
müde geworden und betreten
eins dieser zauberhaften Cafés,
um die Sie die Franzosen
so beneiden und in denen
ein simpler Kaffee ein kleines
Vermögen kostet.

Nehmen wir weiter an,
sie setzen sich in
eine Ecke in der Sie
alle Tische im Blickfeld
haben und ihr französisch reicht
gerade aus, um beim Kellner
einen Café au lait zu
bestellen.

Niemand spricht mit Ihnen,
doch das ist auch nicht
nötig, denn die Körper
der anderen Personen sprechen
wie von selbst und erzählen
Ihnen genug von sich.

So sitzt eine Frau alleine
an einen Tisch am Fenster
und zündet sich eine Zigarette
an.

Mit der fahrigen Handbewegung
mit der sie diese zum Mund
führt und dem unsteten Blick,
der durch den Raum wandert
und doch jeden Anwesenden mit
Nichtachtung strafft, verrät sie
ihre Nervosität.

Was liegt näher als die
Vermutung, daß sie mit
einem Mann verabredet ist.

Vielleicht ist ein Rendezvous
oder ein heikles Treffen,
bei dem es um die Zukunft
der Beziehung geht?!

Der sich straffende Körper
und das Lächeln auf ihren
Lippen einem sich akkurat
und etwas steif grüßenden Mann
gegenüber läßt Sie eher
auf ein Rendezvous tippen...

  Diese oder zu ähnliche Schlußfolgerungen
können Sie kommen, wenn Sie
die Körpersprache eines Menschen
beginnen zu lesen.

Dieses gestische Vokabular dürfte
eigentlich von jedem verstanden werden
und keine Analphabeten kennen,
doch wie eine Studie von
Forschern der US-Universität angeblich
zeigt, ist die Fähigkeit zur
richtigen Interpretation weiblicher Signale
bei Männern häufig unterentwickelt.

Ein schwerer Vorwurf den US-Forscher
der männlichen Welt bescheinigen und
dabei ist es doch so einfach
die Botschaften des Körpers zu
entschlüsseln.

Hier eine Auswahl typischer und
allseits bekannter Gesten.

  Sie beginnt zu flirten, wenn
  - sie mit ihrem Haar spielt.
  - sie den Sitz der Kleidung
öfter kontrolliert.
  - sie etwas mehr Bein zeigt.
  - sie anfängt sich selbst zu
streicheln und zu berühren.

Er beginnt zu flirten, wenn
  - sich sein Körper spannt und
die Brust durchgedrückt wird.
  - die Hände an den Schenkeln
gerieben werden

Beide beginnen  - zu lächeln.
  - drehen ihre Körper zueinander.
  - mit gegenseitigen und "zufälligen"
Berührungen.
  - ihre Körperhaltung zu synchronisieren.

Das heißt wenn Sie sich
auf den Ellenbogen zu stützten
beginnt, stützt auch er sich
auf den seinigen.

Schlägt er die Beine übereinander,
ahmt sie Sekunden später seine
Pose nach.

  - Getränke nahe beieinander abzustellen.

Abstand wird jedoch signalisiert, wenn
  - einer von seine Haltung abrupt
ändert und sich abwendet.
  - die Fingerspitzen in Abwartehaltung
zusammengelegt sind.
  - die Frau ihre Hand im Schoß
vergräbt und damit gleichsam ihr
Geschlecht verschließt.
  - der andere trotz geradegehaltenem Kopf
nicht angeschaut wird.

Diese kurze Abriß erhebt natürlich
nicht den Anspruch auf Vollständigkeit.

Auch können Gesten in einer anderen
Situation anders interpretiert werden,
doch wer ein wenig auf sein
Unterbewußtsein hört, liegt mit seiner
Einschätzung nur selten daneben.

  Im übrigen heißt der Fachbegriff
für den Griff zur Zigarette,
den die junge Frau in dem
Pariser Café am Anfang des Artikels
unternahm - Übersprungshandlung -
und ist eine typische Geste
um die eigene Nervosität zu
überspielen.

Das Kuriose an dieser entlarvenden
Geste ist aber, daß sie dazu
gedacht ist einen Seelenzustand zu
verbergen.

Doch Vorsicht, nicht jede Zigarette
wird aus Nervosität geraucht,
denn sie kann auch als Phallussymbol
dienen und Ausdruck eines erotischen
Verlangens sein.

Eine Aufforderung, die Körper miteinander
auf eine ganz andere Art und Weise
miteinander sprechen zu lassen,
denn Sex ist die intensivste und
aussagekräftigste Form der Körpersprache -
und mit Sicherheit auch die schönste.

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