Sehen
Die ewige Geliebte
Besser Pimpern mit Professor Dr. Vögler
Ein sehr interessanter Punkt im Spiel zwischen Mann und Frau ist,
dass viele Frauen im Status der Geliebten stecken bleiben.
Sie kommen aus diesem Status nicht heraus,
oder nur sehr schwer,
oder es wird ihnen nie bewusst,
dass sie dort auf ewig verharren werden.
Weil sie der Illusion anhängen:
Er wird sich irgendwann schon von seiner Frau trennen.
Wenn sich ein Mann bei einer Affäre nicht innerhalb der ersten drei Monate von seiner alten Beziehung löst,
wird er diese alte Beziehung nie verlassen.
Das hat ganz unterschiedliche Gründe.
Meist sind diese finanzieller Natur.
Man ist sozusagen in der alten Beziehung einbetoniert,
auf ökonomische Art und Weise.
Zweitens: Wenn die Frau ihrerseits wiederum einen Partner verlässt,
ist sie auch ein unsicherer Kantonist.
Wer weiß, ob die Frau einige Zeit später dann nicht einen selbst verlässt.
Man hat dann also seine alte Beziehung ruiniert,
und die neue Freundin sagt nach drei Jahren:
Ach, ich gehe zum Nächsten.
Das ist etwas, was kein Mann riskieren will.
Ein Mann beurteilt Dinge anders,
als eine Frau sie beurteilt.
Eine Frau sagt sich:
Ja, aber er liebt mich doch.
Und er findet seine Frau schrecklich,
das hat er doch immer wieder mir gegenüber betont.
Er muss sich doch trennen.
Nein, muss er nicht.
Der Mann sagt sich:
Wenn ich mich scheiden lasse,
kostet mich das sehr viel Geld.
Und ich weiß nicht,
was ich bekomme.
Vielleicht ist auch meine Altersvorsorge aufs Spiel gesetzt,
weil ich mir mit meiner Frau eine Eigentumswohnung gekauft habe,
die ich über Kredite über lange Zeit bei der Bank abarbeiten muss.
Wenn jetzt die Ehe gesprengt wird,
dann wird auch der Kauf der Eigentumswohnung gesprengt.
Vielleicht muss ich das Ganze unter Wert verkaufen.
Nein, ökonomische Dinge sind für einen Mann etwas sehr Wichtiges,
und er wird das nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.
So ist es für ihn auch viel angenehmer:
Er hat seine Frau,
mit der er den Alltag erfolgreich
über die Jahre einstudiert bewältigen kann.
Er hat seine Geliebte,
mit der er seinen sexuellen Spaß hat.
Das ist für ihn wunderbar.
Eine Geliebte, die permanent auf ihn hofft,
mehr zu bekommen.
Ja, mein Gott, besser kann man die Beziehung
doch gar nicht am Laufen halten.
Und so verharrt die Frau im Zustand der Geliebten,
ständig frustriert,
ständig denkend,
dass dies Liebe sei.
Aber es ist nicht Liebe,
es ist nur Gestresstsein.
Und sie vergeudet ihre beste Zeit,
anstatt eine wirkliche Beziehung mit einem Mann einzugehen,
der frei ist.
Aber so ein verheirateter Mann
ist unheimlich attraktiv für so eine Frau.
Und darum gibt sie auch nach Jahren
ihr Engagement nicht auf.
Weil es ein Eingeständnis wäre,
dass man eine Fehlinvestition getätigt hat.
Und sich eine Fehlinvestition einzugestehen,
ist etwas ungeheuer Schwieriges.
Nein, man möchte den Zinseszins bekommen.
Und wenn man bis zur Rente wartet –
aber dann stirbt er ihr unter den Füßen weg,
und sie steht neben der Witwe am Grab und sagt sich:
Scheiße, das war ja nur ein Leben,
und ich habe es vergeudet.
Aber die Einsicht kommt zu spät.