Sehen

Die Jagdgöttin

Ferdinand Freiherr von der Ferne

Nein, nicht was ihr denkt –
nicht Diana, die Göttin der Jagd.

Nein, es geht um Roswitha Jakubowski
aus Bottrop.

Ihre Großeltern väterlicherseits
stammten aus Polen,
mütterlicherseits stammt alles
aus Deutschland, Westfalen.

Ihren polnischen Nachnamen
hat Roswitha immer gehaßt,
er war in ihrer Schule nicht selten
Anlaß zu hämischen, abfälligen Bemerkungen.

Aber im Verlauf ihrer Pubertät
stärkte sie zunehmend ihr Selbstbewußtsein,
und das mit ihrem Namen
machte ihr kaum mehr was aus.

Aus dieser inneren Stärke heraus,
bildete sich in ihr
eine deutliche Leidenschaft heraus.

Eine Leidenschaft für Sex.
Wie ging das zu?

Roswitha war alles andere
als ein hübsches Mädchen,
und auch später –
alles andere als eine hübsche junge Frau.

Sie war dicklich und von plumper Figur,
war nur Einmetersechzig groß
und in ihrem nicht sehr anziehenden Gesicht
waren unzählige Sommersprossen zu sehen.

Sie war rotblond.

Aber sie war, wie gesagt,
selbstbewußt geworden.

Nach unzähligen Hänseleien
in der Pubertät,
hatte sie sich endlich vorgenommen
einen anderen, eigenen Weg einzuschlagen.

Weg von jeglicher Opferrolle,
weg von Traurigkeiten und Enttäuschungen.

Roswitha wollte schließlich auch das,
was ihre Kameradinnen auch wollten,
und bekamen:
Sex mit Jungs.

Roswitha dachte nach.

Sie beobachtete Frauen und Männer –,
ihr Verhalten,
die verschiedenartigen Vorgehensweisen,
und die gesellschaftlichen Regeln und Gepflogenheiten.

Schließlich entschied sie für sich
rigoros vorzugehen.

Ohne Umschweife oder Taktiken.

Sie ging einfach auf Jungs –
sowie später auf Männer – zu,
und fragte sie:
„Möchtest du mit mir schlafen?“

Und seltsam, irgendwie funktionierte es.

Es funktionierte fast immer.

Die Jungs – und später die Männer,
waren so perplex,
daß ein junges Mädchen,
eine junge Frau,
so direkt sein kann.

Roswitha kam somit voll
auf ihre Kosten.

Ihr wurde im weiteren Verlauf klar,
daß sie sich später unmöglich
verheiraten konnte.

Diese Leidenschaft war
mit dem Treueversprechen
und den dazugehörigen Verpflichtungen
unvereinbar!

Aber das machte ihr nichts aus.

Sie betrieb ihre Leidenschaft
in hohem Maße
und war vollauf zufrieden
und umfassend befriedigt.

Sie führte sogar Buch
über ihre Eroberungen.

Mit pikanten Randbemerkungen.

Aber wie sah so eine Eroberung aus?

Da war zum Beispiel
ein bestimmter Hubert,
ein sehr hübscher Junge –
ein früherer Mädchenschwarm
aus ihrer Schulzeit,
der eigentlich alle Mädchen haben konnte,
aber aufgrund seiner Schüchternheit,
ging er jahrelang
mit einer Klassenschönen –
seiner ersten Freundin –,
und war ihr treu.

Bis diese Schöne eines Tages
mit ihm Schluß gemacht hatte –
zugunsten eines anderen.

Hubert hatte es nie einfach
mit den Mädchen und Frauen.

Seine Schüchternheit
war wie eine Behinderung.

Und eines Tages traf Roswitha Hubert
auf einem Wochenmarkt.

Sie begegneten sich
an einem Gemüsestand
und Roswitha sprach Hubert lächelnd an.

Er erinnerte sich sofort
an die unscheinbare Roswitha,
lächelte schüchtern zurück,
und als sie an ihn
ihre Standartfrage stellte:
„Willst du mit mir schlafen?“,
da war Hubert sowas von perplex,
daß er nur stammelnd zu antworten wußte:
„Ja, doch… natürlich Roswitha, warum nicht?“

Und nur eine halbe Stunde später
fanden sie sich in einem Hotelzimmer ein
und Hubert war befangen,
nervös
und schaute immer wieder zu Roswitha –
fand, daß sie einen
recht stattlichen Busen bekommen hatte
und seine Vorfreude auf schnellen Sex
brachte sein Herz dazu,
schnell zu schlagen.

Im Hotelzimmer übernahm Roswitha
jegliche Initiative.

Sie bat ihn, nachdem er aus dem Bad kam,
sich auszuziehen
und auf das Bett zu legen,
während sie sich im Bad zurechtmache.

Und dieses Zurechtmachen
war Teil ihres Erfolgsrezeptes.

Ihre Auswahl an reizende Dessous,
an ein verlockendes Parfum,
ihre Art ihre Frisur offen zu tragen,
in Verbindung mit ihrer Art
sich erotisch anziehend zu geben,
machte für Männer alles wett
und der Einstieg war mehr als gegeben.

Hinzu kamen jetzt ihre Talente
in Bezug auf den Vollzug:

Die Jungs und die Männer
hatten selten so eine nymphomanisch veranlagte
weibliche Person erlebt –
mit so offenherzigen Attributen
wie ihren prallen Busen,
ihren prallen Arsch
und ihre glattrasierte spreizbeinige Muschi.

Und was ihre raffinierten Tricks und Talente betraf,
die sie im Verlauf der Jahre mittlerweile drauf hatte –,
es blieb kein Wunsch offen.

Bis auf einen – und das mußten
alle Jungs und Männer erfahren:

Roswitha bekamen sie nur einmal.

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