Sehen

Die Kunst des Dirty Talk

Jan-Josef Markwort

Besser Pimpern mit Professor Dr. Vögler

Vieles liegt ja
im Auge des Betrachters,
aber manchmal eben nicht nur
im Auge,
sondern auch im Ohr.

Und damit sind wir beim Thema Dirty Talk —
der Kunst des vulgären
erotischen Sprechens.

Und es ist ein sehr
heikles Thema,
weil einige sind begeistert davon,
andere lehnen es komplett ab.

Und die, die es ablehnen,
fragen sich,
wie man daran Freude empfinden kann,
im Primitiven,
in der Gossensprache.

Nun, Sex an sich ist ja etwas,
was, wenn man es richtig betreibt,
ja etwas Verrufenes,
etwas Verdorbenes hat.

Also in unserer Vorstellung
muss ich dazu sagen.

Im Grunde ist Sexualität
etwas völlig Selbstverständliches,
was im Tierreich genauso vorkommt
wie beim Menschen
und unserer Arterhaltung dient.

Aber der Mensch hat eben nicht nur
eine Arterhaltung daraus gemacht,
sondern auch etwas,
woran man simples und reines Vergnügen empfindet.

Und er hat es gleichzeitig
mit etwas Verbotenem belegt.

Alles Verbotene ist interessant
und macht Spaß.

Und das Primitive, ja das Rein-Tierhafte,
ich glaube,
man muss es wirklich damit,
mit dem Animalischen vergleichen,
wenn man ohne Hemmungen
wild übereinander herfällt
und jede menschliche Maske
und jeden Anstand
und jedes…

„Fünkchen" wäre nicht das richtige Wort —
gemeint ist dieses Menschsein,
was uns jenseits des Intellekts
vom Tier unterscheidet.

Das lässt man einfach sein.
Man ist in seinem Urtrieb gefangen,
im Unbewussten.

Das lebt man aus.

Und ich glaube, das ist das,
was wir Menschen so ablehnen,
das Unbewusste,
das Urtümliche,
das Primitive.

Und wir umgeben uns
mit einer Fassade der Höherentwicklung
gegenüber dem Tier.

Und beim Sex lassen wir es
ganz einfach wieder fallen.

Und das ist dieser merkwürdige Punkt,
den viele abstößt
und auch gleichzeitig anzieht.

Und darum ist diese vulgäre Gossensprache
so hocherotisch,
weil man Grenzen überschreitet,
weil man primitiv ist,
obwohl man weiß,
dass man eigentlich ein kluger Mensch ist.

Aber hier darf man es sein.

Man darf seiner Frau
das Wort Hure ins Gesicht schleudern
und sich daran erfreuen,
dass sie davon feucht wird.

Und sie kann ganz in ihrer Rolle aufgehen
und so tun,
als wäre sie eine Hure,
die es nur für Geld treibt.

Ja, das hat seinen Reiz.

Und entweder man kann ihn nachvollziehen
oder nicht.

Aber wir Menschen sind halt verschieden.

Auch beim Sex.

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