Sehen
die prallen Brüste der Ursula M.
Man stelle sich vor:
Ursula M. betritt den Raum,
und plötzlich herrscht Ausnahmezustand.
Nicht wegen ihres Parfums,
nicht wegen ihres Lächelns –
nein, wegen dieser zwei monumental prallen Brüste,
die sich wie aufgepumpte Luftkissen
unter dem viel zu knappen Pulli wölben.
Sie sind nicht einfach da,
sie besetzen Raum.
Sie fordern Aufmerksamkeit.
Sie sind ein verdammtes Verkehrshindernis ersten Ranges.
Autos bremsen, Männer stolpern, Frauen starren hasserfüllt.
Selbst Blinde spüren die Druckwelle.
Eins: Verkehrshindernis.
Ursula geht durch die Fußgängerzone,
und schon bildet sich ein Stau.
Kerle bleiben stehen,
als hätte jemand eine unsichtbare Leitplanke aufgebaut.
Der eine lässt die Einkaufstüte fallen,
der nächste läuft gegen einen Laternenpfahl.
„Entschuldigung“, murmelt er,
aber seine Augen kleben fest
an diesen zwei Kugeln,
die sich bei jedem Schritt wie hypnotische Pendel bewegen.
Selbst die Tauben flüchten irritiert.
Zwei: Herausforderung zum Verkehr.
Denn genau das wollen diese Brüste ja.
Sie sind kein Zufall der Natur,
sie sind gezielte Provokation.
Ursula weiß das.
Sie trägt Push-up wie andere Menschen Atemluft.
Ein tiefer Ausschnitt ist für sie nicht Mode,
sondern Kriegserklärung.
Jeder Blick, der länger als drei Sekunden hängen bleibt,
wird als Einladung gewertet.
Und wehe, man nimmt sie an –
dann geht’s direkt auf die Überholspur,
ohne Rücksicht auf Vorfahrt oder Ehegelübde.
Drei: nicht verkehrt.
Im Gegenteil.
Diese Dinger sind perfekt proportioniert,
straff, schwer,
mit einem Schwung, der Newton widerlegt.
Man möchte sie wie reife Melonen wiegen,
nur um sicherzugehen, dass die Physik noch funktioniert.
Sie sind das Argument gegen jede Diät,
gegen jede Vernunft,
gegen jede noch so solide Beziehung.
Ein Mann kann noch so treu sein –
wenn Ursula sich vorbeugt
und diese zwei Prachtexemplare auf den Tisch legt
wie ein Royal Flush,
ist jede Ehe nur noch ein Blatt Papier.
Vier: ein rotes Tuch für meine Ehefrau.
Die hasst sie.
Hasst sie abgrundtief.
Nicht weil sie neidisch wäre –
nein, meine Frau hat selbst ordentlich was vorne dran.
Aber Ursulas Brüste sind die pure Unverschämtheit.
Sie sind das lebende Gegenargument
zu allem, was meine Frau in Jahren mühsam aufgebaut hat:
Vertrauen, gemeinsame Urlaube,
der blöde Hund, der nur auf mich hört.
Ein einziger Abend mit Ursula am Nachbartisch,
und meine Frau sieht rot.
Rot wie ein Stier, der gleich losrennt.
Rot wie die Warnleuchte, die in meinem Kopf blinkt:
„Achtung, Ehekrise voraus!“
Und trotzdem.
Jedes Mal, wenn Ursula vorbeischwebt,
diese zwei prallen, frechen, lebensgefährlichen Argumente
vor sich hertragend,
denke ich:
Vielleicht nur einmal anfassen.
Nur ganz kurz.
Nur um zu prüfen, ob sie echt sind.
Nur um zu wissen,
wie sich das Paradies anfühlt,
bevor man wieder rausfliegt.
Aber dann sehe ich den Blick meiner Frau.
Und weiß:
Manche Verkehrsunfälle lohnen sich einfach nicht.