Sehen

Die unendliche Schleife der Begierde

Luiz Goldberg

Deine Lust ist mein Schlaraffenland,
ein Ort, an dem ich mich satt fresse,
ohne je dick zu werden.

Jeder deiner Seufzer
pumpt frisches Blut in mein Gehänge,
als hätte jemand einen verborgenen Hahn aufgedreht.

Deine Gier wiederum
ist eine Art vampirische Blutspende:
Du saugst mich aus,
und genau dieses Ausgesaugtwerden
macht mich härter,
als je ein kleines blaues Wunderpillchen es könnte.

So funktioniert unser privates Perpetuum mobile:
Ich penetriere dich,
du melkst mich,
ich werde dadurch noch steifer,
du noch nasser,
ich noch tiefer,
du noch enger –
und schon dreht sich das Karussell von allein weiter.

Ein physikalisches Wunder,
nur mit Körperflüssigkeiten statt Zahnrädern.

Die Revanche erfolgt nachts,
Tröpfchen für Tröpfchen.

Während du schläfst,
schiebe ich mich langsam wieder in dich hinein,
als wäre mein Schwanz ein Nachtwächter,
der kontrolliert, ob die Tore noch offen sind.

Du wachst nicht auf,
aber dein Unterleib merkt es genau:
ein leises, träges Pumpen,
das dich im Schlaf schon wieder feucht macht.

Am Morgen finde ich dann die Laken durchweicht
und dein Becken leicht nach vorn gekippt,
als hätte es die ganze Nacht gehorsam Position gehalten
für die nächste Runde.

Manchmal, wenn du besonders gierig warst,
drehe ich dich auf den Bauch
und lasse dich meine Morgenlatte spüren,
noch bevor du richtig wach bist.

Du murmelst etwas, das klingt wie „Nochmal“,
und schon gleite ich hinein
in die warme, aufgeweichte Höhle,
die ich gestern Abend erst verlassen habe.

Ein perfekter Kreislauf:
Deine Lust nährt meine Potenz,
meine Potenz nährt deine Lust,
und niemand muss je den Stecker ziehen.

Wir sind die lebende Widerlegung
des zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik.

Unsere Energie nimmt nicht ab,
sie potenziert sich.

Jeder Orgasmus ist nur ein Zwischenspeicher,
ein kleiner Akku,
der sich sofort wieder auflädt,
während der nächste schon in dir pulsiert.

Selbst wenn wir erschöpft einschlafen,
Schwanz noch in dir,
läuft das System weiter –
ein leises, nasses Schmatzen im Dunkeln,
das uns beide langsam wieder hochfährt.

Irgendwann werden wir sterben, natürlich.
Aber unser Perpetuum mobile stirbt mit uns.

Bis dahin bleibt die Maschine in Betrieb:
Du saugst, ich spritze,
ich werde hart, du wirst nass,
ich dringe ein, du kommst,
ich komme nach,
und alles beginnt von vorn.

Ein ewiger Kreislauf
aus Fleisch, Schleim und unstillbarer Gier –
das einzig wahre Perpetuum mobile,
das die Menschheit je erfunden hat.

Und das Schönste daran:
Es braucht weder Patent noch Genehmigung.

Nur zwei Körper,
die genau wissen,
wie man sich gegenseitig unendlich macht.

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