Sehen

Die Verlobte, ihr Geliebter und der Verlobte unter dem Bett – (irgendwann in den 60ern)

Ferdinand Freiherr von der Ferne

Sie hatte ihn einfach kurzerhand rausgeschmissen.
Und waschlappig wie er schon immer war,
ist er auch widerspruchslos abgedackelt.
Holger wollte das nicht.
Holger Schulz wollte weiter mit Edith zusammensein.
Aber da war halt nichts zu machen.
Wenn Edith was beschlossen hat,
dann steht das so fest
wie das Evangelium in der Bibel.
Puh!
Gottseidank hatte Holgi noch seinen Zweitschlüssel,
von dem Edith gar nichts wußte,
denn seinen Schlüssel mußte er natürlich abgeben.
Na warte Edith,
ich werde dir noch einen Besuch abstatten…!
– Holgi war stinksauer.

Den ganzen Tag über wußte er nicht
was er mit sich anfangen sollte.
Klar war er wieder bei seiner Mutter eingezogen,
die hat ihn mit Kußhand wieder aufgenommen
und auf Edith geschimpft
wie auf sieben Nieten in der Lotterie.
Nein, nicht daß er Edith nötig gehabt hätte,
er verdiente ja ganz gut
als Finanzbeamter im Rathaus.
Aber Edith war nunmal seine Schmusepuppe.
Er durfte fast jeden Tag
an ihren Brüsten nuckeln
und dann machte sie es ihm noch
mit der Hand bis er kam.
Mit ihrem Mund sowas zu tun
war ihm irgendwie peinlich
und allzu intim.
Sie hat es einmal gemacht,
da hat er – kurz bevor es ihm kam –
ihren Kopf sanft zur Seite gedrückt.
Edith hatte ihn unverständlich angeschaut,
ihn zur Rede gestellt
und es dann nicht wieder versucht.

Irgendwann hatte Holgi einen Verdacht.
Ob Edith nicht einen Liebhaber hat?
Ob sie etwa fremd geht?
Ja, und wie kam Holgi drauf?
Edith beschwerte sich zunehmend über Langeweile
im Bett mit ihm.
Und da meinte Holgi,
mal einmal den Lauten machen zu müssen.
Er postierte sich breitbeinig,
die Fäuste in die Hüfte gestemmt,
vor Edith – und erdreistete sich:
„Dann such dir doch einen Anderen,
wenn ich dir im Bett nicht mehr genüge!
Und überhaupt – ich hege den Verdacht,
daß du eh schon einen Liebhaber nebenher hast!“
– Tja, das war dann der Punkt
an dem der Rausschmiß erfolgte.
Edith hatte Holgi noch nie so aufbegehren erlebt
und es war sonnenklar,
daß sowas nicht durchgeht.
Zudem hatte Edith tatsächlich seit über drei Wochen
einen Liebhaber!
– Aber dann war Holgi tags darauf
mit seinem Zweitschlüssel und seinem Verdacht
in Richtung seines ehemaligen Zuhauses.

Edith war noch auf Arbeit
und Holgi schlich sich in die Wohnung rein
und schnüffelte erst einmal rum.
Aber nichts Verdächtiges fiel ihm auf.
Mit Blick auf die Uhr kroch er
mit einem „Haha!!“
unter das 2 x 2 Meter große Bett
und machte es sich einigermaßen bequem.
Zwei Schokoriegel und Kaugummis in der Tasche.
Und eine halbe Stunde später hörte er Edith schon
im Badezimmer sich fertigmachen.
Was immer Frauen auch unter „Fertigmachen“ verstehen –
er hat´s nie so richtig kapiert.
Und Klingeling!
Es ertönte die Hausklingel.
Und zack da erschien auch schon Holgis Verdacht:
Der Liebhaber!
Wahrlich – wir kürzen das hier ein wenig ab:
stellt Euch vor, Holgi liegt da gespannt und gequält
und muß furchtbar leise sein,
und gleich über ihm geht die Post ab.
Also die erotische.

Und Holgi bekam zu hören,
was er noch nie gehört hat.
Er erfuhr zum Beispiel,
daß Edith auf Sextechniken stand,
die er noch gar nicht kannte.
Ja, nicht nur daß sie es von hinten…
gerne hatte… neinnein…
auch da hinten rein…
also in das andere… enge…
Also daß das überhaupt möglich war,
war Holgi so gar nicht klar.
Und dann auch noch…
Aber das lassen wir jetzt mal –;
jedenfalls lag Holgi wie auf Kohlen.

Und dann kam der Moment –
also der Beginn des Momentes,
an dem Holgi ganz ordentlich verprügelt wurde.
Das kam so:
Holgi liegt mit Wut im Bauch
auf dem Rücken unter dem Bett.
Über ihm ein einziges Gequitsche und Gestöhne.
Holgi greift aus Frust nach den Schokoriegeln –
die schon etwas weich geworden sind.
Er ißt sie gierig
und verspürt kurz danach ein gewisses Bedürfnis.
Er hat furchtbare Blähungen
und da will ganz nötig was raus
aus seinem Arsch.
Was sollte Holgi auch tun –
er ließ ab.
Luft natürlich.
Aber was für welche!
In Holgis Natur war es so beschaffen,
daß er eigentlich selten furzen mußte,
auch verbot ihm Edith es
in ihrer Gegenwart streng.
Aber wenn er das mal doch tun mußte –
so wie jetzt –, dann kam aus Holgi ein Dunst heraus,
der dermaßen extrem war
und sich auch extrem ausbreitete…
daß es einfach unvergleichlich war.

Nun denn, eine gute Minute später hörte er Ediths Stimme:
„Halt mal kurz! Was ist das?
Dieser üble Geruch… was ist das?
Kommt mir irgendwie bekannt vor!
Was ist hier los?
Die Marke kenne ich!
So ein Waschlappen.“
– Ja, und dann folgte gleich auch der Moment
wo Holgi furchtbar verprügelt wurde!

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