Sehen

dieser eine Augenblick der Lust

Peter Muschke

und dann wieder dieser Augenblick
wo die Chemie im Körper die Oberhand gewinnt
und fiebrig alles in mir ruft
ICH BRAUCHE JETZT EINE FRAU

Es beginnt im Nacken,
ein heißes Kribbeln,
das sich ausbreitet wie ein Lauffeuer
durch Schultern, Brust, Bauch
bis hinunter in die Lenden,
wo es explodiert
wie ein böser Witz,
den niemand hören will,
aber alle spüren.

Der Puls hämmert in den Schläfen,
die Haut wird zu eng,
als hätte jemand die Temperatur im Raum
auf „Hölle“ gedreht.

Jede Frau wird zur Landkarte
mit nur einem Ziel.
Ihre Stimme, ihr Duft,
das leise Rascheln ihres Rocks –
alles schreit:
Hier. Jetzt. Nimm.

Der Verstand versucht noch zu verhandeln:
„Bleib ruhig, das geht vorbei.“
Aber der Körper lacht nur,
ein tiefes, animalisches Lachen,
das direkt aus dem Becken kommt.

Die Hose spannt,
die Gedanken werden schmutzig,
primitiv, ehrlich.

Kein „Ich würde gern mit dir essen gehen“,
kein „Erzähl mir von deinem Tag“ –
nur ein einziges, rohes
„Leg dich hin und lass mich rein.“

Die Welt schrumpft
auf diesen einen Punkt zusammen:
Gnadenlos und ohne eine Chance zu entkommen.
Haut an Haut,
Atem an Atem,
der Moment,
in dem alles andere verstummt
und nur noch das Blut rauscht
wie ein Orkan durch die Adern.

Es ist kein Verlangen mehr,
es ist Befehl.
Die Natur selbst
steht auf und brüllt:
Fortpflanzung.
Jetzt.
Sofort.

Und du stehst da,
gefangen zwischen Anstand und Animalischem,
zwischen Kultur und Kern,
und weißt:
In diesem Augenblick
bist du kein Mensch mehr.

Du bist ein Tier mit Krawatte.
Ein Wolf im Anzug.
Ein Mann,
der nur noch eines will –
und alles dafür geben würde.
Ohne mit der Wimper zu zucken.

Bis der Augenblick vorbei ist
und du wieder zu Atem kommst,
beschämt, erleichtert,
und doch schon wieder wartend
auf das nächste Mal,
wenn die Chemie wieder zuschlägt
und du nur noch flüstern kannst:

Nochmal.
Bitte.
Jetzt.

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