Sehen
dieser eine Augenblick der Lust
Es gibt diesen einen Augenblick,
wo die Chemie im Körper
die Oberhand gewinnt.
Der ganze Körper ruft fiebrig:
„Ich brauche jetzt eine Frau.“
Die Geilheit hat einen damit
fest im Griff.
Es beginnt im Nacken.
Ein heißes Kribbeln,
das sich ausbreitet,
wie ein Lauffeuer.
Es erobert die Schultern
und frisst sich durch den Bauch
bis in die Lenden.
Wo es explodiert.
Und ich weiß, ich bin jetzt
ein Sex-Junkie.
Ein Sklave der sexuellen Ungehörigkeit.
Die Hoden und das Gehirn
funken auf derselben Frequenz
und spielen Pingpong mit den Emotionen.
Der Puls hämmert in den Schläfen,
die Hose wird zu eng.
Jede Frau, die sich im Umkreis
von 10 Metern befindet,
wird abgescannt.
Selbst Frauen auf Fotos.
Kann ich sie begatten?
Gibt es eine Chance?
In diesem Stadium gibt es keine
hässlichen Frauen.
Nur verpasste Gelegenheiten.
Alles wird gedeutet.
Ihre Stimme, ihr Duft,
das leise Rascheln ihres Rocks.
In allem glaubt man,
dass sie damit andeuten will:
Hier. Jetzt. Nimm.
Im Klassiker „From Dusk till dawn“
gibt es genauso eine Szene,
von Quentin Tarantino meisterhaft geschrieben.
Wo Juliette Lewis Quentin Tarantino
in seiner Fantasie anfleht,
sie auszulecken.
Dabei ist Tarantino ein verrückter Killer.
Und genau das ist es.
Die Chemie macht aus braven Jungs
Verrückte.
Dann gibt es noch ein letztes
Aufbäumen des Verstandes.
Er versucht zu verhandeln:
„Bleib ruhig, das geht vorbei.“
Oder wenn er clever ist.
„Du musst die Frau verführen.
Lade sie zu Essen ein.
Aber der Körper lacht nur dreckig.
Nein.
Er röhrt nur ein:
„Leg dich hin und lass mich rein.“
Die Welt schrumpft auf diesen einen Punkt zusammen:
gnadenlos und ohne eine Chance,
zu entkommen.
Haut an Haut, Atem an Atem,
der Moment, in dem alles andere verstummt
und nur noch das Blut rauscht
wie ein Orkan durch die Adern.
Es ist kein Verlangen mehr,
es ist Befehl.
Die Natur selbst steht auf und brüllt:
Ficken. Jetzt. Sofort. Und du stehst da, gefangen zwischen Anstand
und Animalischem, zwischen Kultur und Kern,
und weißt: In diesem Augenblick
bist du kein Mensch mehr.
Du bist ein Tier mit Krawatte.
Ein Wolf im Anzug.
Ein Mann, der nur noch eines will:
vögeln, dass es kracht
und du würdest alles dafür geben.
Mit dem letzten Rest an Anstand,
verzichtest du darauf, der Frau
die Kleider vom Leibe zu reißen,
und verschwindest auf dem Klo.
Wahlweise im Büro oder in der Zahnarztpraxis,
wo man dir gleich die Füllung erneuert
und die hobelst dir gepflegt einen von der Palme.
Gott sei Dank, sehen Zahnarzthelferinnen
immer hübsch aus, die freundlich lächeln,
wenn du wieder menschgeworden vom Klo kommst.