Sehen

Dirty Talk

Claudia Carl

Mein Mann flüstert mir gerne versaute Dinge ins Ohr,
während wir bei der Sache sind.

Dazu eignet sich die Stellung,
wenn ich auf ihm sitze ebenso wie die,
wenn er sich seitlich von hinten nähert.

Etwas schwieriger wird es,
wenn ich vor ihm kniee
und seine Stimme von ganz da hinten kommt.

Während ich beim eifrigen Auf und Ab
auf seinem Schwanz bin,
sehe ich seine Gesichtshaut röter werden,
das beste Zeichen dafür,
dass sich in seinem Gehirn schmutzige Begriffe bilden,
die er gleich herauszischen wird.

„Du miese kleine Nutte“.
„Du Dreckstück“.
„Du geile Sau“.

Mein Mann nimmt da kein Blatt vor den Mund,
und wenn diese Worte in meinem Gehirn ankommen,
zucken sie im Eiltempo nach unten in meine Klitoris
und der Peitschenhieb der Erregung tut seine Wirkung.

So haben wir uns jahrzehntelang hochgeschaukelt,
vor allem hat er mich damit hochgeschaukelt.

Leider war das nie eine einfache Sache.
Oft kam ich mit „Nutte“ bis zur sagen wir sechsten Orgasmus Stufe,
rutschte dann wieder ab
und er musste neu beginnen.

„Du willst es doch so“ konnte wieder einiges wettmachen,
ich erklomm weitere Stufen,
landete auf sieben,
mein Stöhnen wurde er lauter,
er packte härteren Tobak aus.

„Du tropfendes Miststück,
den ganzen Tag hast du nichts anderes als Ficken im Kopf“.

Ficken, ja, ein gutes Wort,
ich konnte bis zu Stufe neu vordringen,
10 ist die ultimative,
an der ich über den Hügel gleite
und lustvoll im Orgasmus hinunterrutsche.

Er hört es an meinem Atem,
flüstert „ficksüchtiges Schwanz Luder,
du lässt dich gerne durchbohren.
Ich reiß dir den Arsch auf,
ich steche dich ab“…………..Ahhhhh

Im Laufe der Jahre wurde es schwieriger mit meinem Orgasmus.
„Triefende Butter“ flüsterte mein Mann mir ins Ohr
oder „Musst du aufs Klo“,
er zischte „krasses Loch“
und „speckiger Puder“.

Seine Kreativität war nicht zu bremsen.
„Du stillst doch so“ hörte ich,
oder „steiler Gau“.

Obwohl ich seinen Schwanz weiter herrlich an meiner Klitoris rieb,
gab es Irritationen in meinem Kopf,
die Verbindung nach unten schien unterbrochen.

Ich wollte meinen Mann nicht verletzten
und sagte daher nichts zu seiner Wortwahl,
er tat wie immer sein Bestes.

Ich ging dazu über,
bei jedem Zischen,
das aus seinem Mund drang,
ein Stöhnen von mir zu geben,
quasi als Anfeuerung.

Es wirkte und er brachte weitere wundersame Dinge hervor.

„Ich brüll in dein Astloch“

Leider ging es mit meiner Orgasmus Fähigkeit stetig bergab.
Nun ja,
kein Wunder,
wenn man auf die 80 zugeht.

Das Stöhnen währenddessen fiel mir auch immer schwerer,
so richtig geil wurde ich nur noch beim Lesen versauter Literatur.

Irgendwann schöpfte mein Mann Verdacht.
Er flüstert mir jetzt nichts mehr ins Ohr,
sondern hält vorbereitete Zettel hoch.

Auf diesen steht etwa „Taube alte Schlampe“,
„Demente Nutte“
oder „Greise Fotze“.

Ich sage Ihnen, damit flutscht es wieder so richtig,
von null auf 10.

Ich finde nur, er könnte etwas größer schreiben.

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