Sehen

Dreckige Sünden

Skorpion

Nach außen perfekt, die kleine Familie.
Mutter, Vater, zwei Kinder, nebst Familienhund.
Treusorgende Ehefrau, Gatte mit Saubermann-Image.
Doch sauber scheint hier nur seine Wäsche zu sein.
Die Gedanken unrein, voll wollüstiger Gier.
Emporkömmling der er einst war, protegiert
von einem anderen, einem mächtigen Mann,
der bekommt, was er will, wann er es will,
der seine Mittel einzusetzen weiß.
Der um die Schwachstellen seiner Mitmenschen weiß,
nur um später unter Druck einzufordern,
wonach es ihm begehrt. Und er begehrt. Viel. Alles.
Wie verlockend die Party hinter verschlossenen Türen,
die Parole der Nacht: SÜNDE.
Zu groß das Verlangen,  unstillbarer Hunger nach Leibern
jeglicher Art und Gesinnung.
Hunger nach Leben, nach Anderssein, nach Wollen und Gewolltwerden.
Hochkarätige Besetzung, das Who-is-Who der
gesellschaftlichen Oberschicht.
Becirct von Händen, geküsst von Lippen, gebissen, geleckt.
Eine Frau im Arm, ein Jüngling im Schoß,
will er sich nur noch ergießen, doch
diese Befreiung soll warten, muss warten.
Wolllüstiges Treiben gepaart mit stimulierender Musik,
Stöhnen, Keuchen, Hecheln, lustvolle Blicke,
sehen und gesehen werden.
Champagner, vorzugsweise von heißen Körpern geschlürft
vernebelt die Sinne, berauscht, neben anderen Substanzen.
Gefummel, Gelecke, Geficke allenorts,
will er niemals wieder fort, zu schön das sündige Treiben,
ungebändigte Lust, das Ausleben aller Süchte.
Doch wird das Verlangen, jene Gier, später noch
zu seinem Gefängnis werden, da die Kameras unaufhörlich
aufzeichnen, was dem Mächtigen dazu gereicht, zu
bekommen was er will.
Macht.
Und damit das schöne, fein säuberlich erbaute Kartenhaus,
das Saubermann-Image, die perfekte, kleine, glückliche Welt
nicht zusammenbricht, wird er tun, was immer von ihm verlangt wird.
Zur Belohnung darf er auch beim nächsten Mal mitspielen,
in einer weiteren sündigen Nacht wieder ein Stück seiner Seele verkaufen.
Weil die Sucht immer siegt.

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