Sehen

ein leichtes Sommerkleid

Charles Haiku

Sie hat ein leichtes Sommerkleid an. Und ich liebe leichte Sommerkleider. Aus Baumwolle, schön tailleneng geschnitten, nicht zu lang, über den Knien endend. Und sie müssen duften. So einen lieblichen, unschuldigen Duft nach Vanille. Und nach Unschuld. Aber eine Form von Unschuld, die der Jugendlichkeit geschuldet ist und nicht der Unerfahrenheit, der Ängstlichkeit oder dem Desinteresse – sondern eine Form von Unschuld, die ein Mädchen von zwanzig Jahren hat. Eine Form von Reinheit, die nur in diesem Alter existiert und dann verschwindet.
Reife Frauen haben andere angenehme Dinge, in die man sich verlieben kann. Reife Frauen haben andere Vorzüge, aber sie verfügen nicht über das, was nur ein Mädchen von zwanzig Jahren hat, wo alles noch fest ist, unverbraucht. Nicht unbedingt unverdorben – ein Mädchen von zwanzig Jahren kann es faustdick hinter den Ohren haben. Aber von einem zwanzigjährigen Mädchen geht ein Gefühl aus, das man nicht konservieren kann. Später wird sie abgeklärt. Sie hat zu viel erlebt: Enttäuschungen, Bitterkeit über verpasste Gelegenheiten und den täglichen Blick in den Spiegel, bei dem sie prüft, ob noch alles in Ordnung ist, bis sie irgendwann feststellt: ein Fältchen hier, und die Haut ist nicht mehr zart und glatt wie einst. Nein, ein Mädchen von zwanzig Jahren hat das alles noch nicht.
Und so lernte ich sie kennen, und ich dachte mir: Aber hallo. Ich schlang meinen Arm um ihre Taille, und sie hatte nichts dagegen. Sie kicherte ein wenig. Ich war ein wenig älter als sie, was von Vorteil ist, weil es einen reifer macht, erfahrener. Aber man darf nicht zu alt sein, sonst ist man ein alter Sack. Gut, manche Frauen stehen auf den Vatertyp. Aber das war hier nicht der Fall. Ich war trotzdem in dem Alter, in dem der Mann zum Vorschein kommt. Und das ist es, was Frauen interessant finden. Der Bubi mag vielleicht die schönere Haut haben, aber Bubis sind nicht erotisch. Und ein Mann muss männlich sein. Auch das ist etwas, was man nicht direkt in Worte fassen kann. Du kannst hässlich sein und trotzdem männlich. Du kannst schön sein, und trotzdem hat keine Frau Lust, es mit dir zu treiben.
Nein, das war nicht der Fall. Ich schlang meinen Arm um ihre Taille. Sie kicherte – so weit waren wir schon. Und dann habe ich sie auf den Küchentisch gehoben, der noch voller Brotkrümel war, die sich in ihre wunderbar sonnengebräunte Haut piekten. Aber das war ihr egal, weil sie wusste, was gleich folgen würde.

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