Sehen

Eine Nacht mit ungeahnten Folgen

Yupag Chinasky

Der berühmte Autor war in die Stadt seiner Jugend eingeladen worden,
um dort aus seinen Werken zu lesen. Doch die Resonanz war ernüchternd,
hier in der Provinz war die Zeit stehen geblieben, seine Werke erschienen pervers,
nur ein junges Mädchen hatte den Mut, ihm ihre Sympathie öffentlich zu zeigen.

Nach der fatalen Lesung erwartete sie ihn am Ausgang des Saales,
um ihm noch einmal zu bestätigen, dass er gut sei, dass er schreiben könne
und dass sie ihn bewundere, weil er das sage, was sich hier niemand zu sagen getraue
und damit meinte sie vor allem die sehr erotischen Teile seiner Romane.

Natürlich war der Autor angetan und auch ein wenig über den Misserfolg hinweg getröstet,
er lud das junge Mädchen zu einem Drink in der Bar seines Hotels ein,
dort saßen sie eine Weile, tranken, unterhielten sich und verstanden sich ganz gut,
aber er musste sie bald verlassen, eines Essens wegen, das man ihm zu Ehren gab.

Genau dieses Mädchen saß nackt und erwartungsfroh auf seinem Hotelbett,
als er nach dem Festessen satt und mit bestem Rotwein voll abgefüllt, zurückkehrte.
Sie wollte aber nun nicht mehr über Literatur oder Kunst reden, nein, sie wollte nur eines,
sie wollte mit schlafen, mit dem berühmten Autor, genau das hatte sie sich vorgenommen.

Sollte er sie zurückweisen? Sollte er sich diese Gelegenheit entgehen lassen?
Sie verströmte der Reiz der Jugend und hatte den Anmut eines frühreifen Teenagers.
Vielleicht war sie noch minderjährig, dachte er, aber aber was kümmerte es ihn,
wahrscheinlich war sie nur ein Nutte mit guter Bildung und gutem Geschmack.

Also zögerte er nicht länger und obwohl ihn der Alkohol etwas gelähmt hatte,
fickte er sie ganz ordentlich, wobei aber sie den aktiven Teil übernommen hatte
und ihn unermüdlich herausforderte und zu immer neuen Aktionen anstachelte,
bis beide erschöpft waren und ihn schließlich die Müdigkeit übermannte.

Als er aufwachte, war er allein im Bett, hatte Durst und sein Kopf war schwer
und die Erinnerungen waren getrübt, doch diesen schlanken Körper,
den er in der Nacht genossen hatte, den spürte er immer noch voller Verlangen.
Verwunderung erregte allerdings ein großer Blutfleck auf dem weißen Laken.

Sie war zweifellos noch sehr jung gewesen, diese kleine verdammte Nutte,
aber dass sie noch Jungfrau gewesen sein sollte, das wollt er kaum glauben.
Seine Überraschung war jedoch noch größer, als er sie am späten Vormittag
wieder traf, als er anlässlich eines Empfangs dem Bürgermeister vorgestellt wurde,

die kleine wilde Katze war niemand anders als dessen minderjährige Tochter.
Die beiden taten zwar so, als würden sie sich nur von der Lesung her kennen,
konnten aber nicht verhindern, dass der Vater später von der Nacht erfuhr,
denn der Besitzer des Hotels war ein Freund und die Fakten waren klar.

Der Bürgermeister war entsetzt und wollte die Ehre seiner entjungferten Tochter
möglichst mit Gewalt wiederherstellen, die Sitten des Landes verlangten es,
doch dem Autor gelang es ganz knapp rechtzeitig und unbeschadet zu fliehen.
Danach schwor er, nie mehr in seinem Leben seine Heimatstadt aufzusuchen.

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