Sehen
Eine seltsame Begegnung
Am späten Abend eines schönen Tages zu einem Haus kommen,
das einsam und abgeschieden auf einer Lichtung auf einen wartet,
ein Gasthaus, eine Herberge, jedenfalls eine Möglichkeit sich zu stärken,
den quälenden Durst zu löschen, den ewigen Begleiter dieser Wanderung,
dann auf der Suche nach dem Besitzer oder irgend einem Menschen
durch das leere Haus streifen, zu einem Gang mit Türen gelangen,
eine ist halb geöffnete, sie vollends aufstoßen, neugierig hineinschauen,
drinnen nur dunkle Grautöne, die kahlen Wände, der Fußboden,
doch gut zu erkennen das verzierte Eisengestell eines Bettes,
auf dessen hellem Laken ausgestreckt eine schwarze, schlanke Frau,
fast nackt, in sehr knapper, weißer Unterwäsche, welch Kontrast,
sie schläft, will man stören, dennoch nach einigem Zögern eintreten,
den höchst erotischen Anblick mit angehaltenem Atem genießen,
Durst und Hunger sind vergessen, die sexuelle Lust erwacht,
aber die Frau regt sich nicht, nur ihr leiser Atem ist zu hören,
ansonsten kein Laut in diesem verwunschenen Haus,
doch plötzlich erwacht sie, öffnet die Augen ohne Furcht,
als hätte sie den späten Gast erwartet, doch nicht nur das,
sie schaut ihn herausfordernd, geradezu einladend an
und als dieser vor Erstaunen nicht reagiert, steif stehen bleibt,
unterstreicht sie die Einladung mit einer eindeutigen Geste,
rückt zudem zur Seite, um Platz für zwei zu schaffen,
genug Signale um endlich zu reagieren, sich auszuziehen,
sich neben sie auf das Bett zu legen, sie anzufassen
freudig zu erleben, wie sie sich einem zuwendet, umarmt,
wie das Liebesspiel beginnt und höchst erfolgreich endet,
dann mit ansehen, wie sie rasch aufsteht, grußlos aus dem Raum eilt,
verblüfft noch eine Weile warten, rätselnd, dann ebenfalls aufstehen,
sich anziehen, überlegen, was nun zu tun sei, denn obwohl
die eine Lust gestillt, bleiben Hunger und Durst bestehen,
doch um den Zauber nicht zu zerstören, das Haus verlassen,
und in die nun dunkle Nacht hineingehen, weiterhin rätselnd.