Sehen

Eine wahre Geschichte

Ferdinand Freiherr von der Ferne

Mir wurde eine Geschichte erzählt,
eine haarsträubende
–,
die sich tatsächlich zugetragen haben soll.

Ein junger Mann wurde auf
der Straße von einem eleganten Wagen
angehalten in dem eine ältere Dame
saß,
die ihn durch ihren alten Chauffeur
fragen ließ,
ob er sich etwas verdienen wolle.

Da es tatsächlich finanziell schlecht um
ihn stand,
sagte er ja.

So kam
der junge Mann in eine prächtige Villa,
denn die Dame,
war sehr wohlhabend.

Ihre Tochter,
so die Dame,
die sie von klein auf nur
bei sich behielt
und streng bewachte,
sollte geschwängert werden,
denn ihr Gatte sei sowohl ihr Cousin,
als auch zeugungsunfähig.

Wenn er
die Tochter heute Nacht beschlafen würde,
so winke ihm eine üppige Summe Geldes.

Der junge Mann war gut gebaut,
sah mit seinen 23 Jahren blendend aus,
und überlegte sich,
daß er wohl von daher ausgesucht
worden war.

So überdachte er die Situation noch einmal,
kam aber zu dem Entschluß,
dennoch einzuwilligen.

Nachdem die Dame des Hauses,
dem jungen Mann Champagner gereicht hatte,
fragte dieser
–,
inzwischen in etwas gehobener Stimmung,
nach der Tochter.

Sie hätte sich bereits in ihr
Gemach zurückgezogen
und liege womöglich schon wartend in
ihrem Bett,
denn sie sei heute Morgen darüber
unterrichtet worden,
daß heute Nacht das geschehen werde,
was vereinbart ist.

Oh,
dachte der junge Mann,
das geht hier
aber ordentlich nach Plan zu sich,
aber
daß er
der Tochter nicht vorgestellt worden war,
machte ihn stutzig
und so fragte er nach dem Grund.

Sie sei nicht
die hübscheste
und hätte auch ihre kleinen Handycaps,
ihre Haut sei sehr trocken
und ihr sprödes Haar mache ihr Kummer.

Sie wollte sich heute Abend nicht
gerne im Hellen zeigen.

Sehen Sie es ihr bitte nach,
legen Sie sich einfach zu ihr
und tun sie das,
was wir besprochen haben
–,
mein Bediensteter führt sie zum Schlafgemach
meiner Tochter.

Ich bin übrigens morgen schon früh unterwegs
–,
die Summe Geldes wird ihnen beim
Verlassen des Hauses ausgehändigt.

Damit wünschte sie dem jungen Mann
eine gute Nacht,
bestand darauf,
daß er noch in Ruhe seinen
Champagner zuende trinken solle,
und verschwand.

Der junge Mann fühlte sich beklommen,
ließ sich aber,
als er beim weiteren Nachsinnen in
Ruhe sein Glas gelehrt hatte,
zum Schlafzimmer der Tochter führen.

Als er vor ihrer Tür stand
und
der Bedienstete sich zurückgezogen hatte,
rief er sich
die Dame noch einmal ins Gedächtnis.

Sie sieht für ihr Alter

die bestimmt gut über die 50 ist
–,
gar nicht so übel aus,
aber warum wird mir
das Aussehen
der Tochter so vorbehalten?

Sollte sie wirklich so häßlich sein,
um dieses hier in dieser Form
ablaufen zu lassen?

Aber dann dachte er wieder an
die Summe Geldes
und klopfte an
die Tür.

Ein verhaltenes „Herein“,
ließ ihn
die Klinke herunterdrücken
und schon stand er in einem
nahezu dunklen Raum
und konnte nur erkennen wo
das Bett stand.

Er ging lautlos darauf zu
und entschied für sich,
kein Wort zu sprechen,
es sei denn,
die Tochter forderte ihn dazu auf.

Er legte sich zu ihr
und eine angenehme Wärme ging von
ihrem Körper aus,
der ihn erste Berührungen machen ließ.

Alles was er tat,
machte die Tochter mit

wie in einem vertrauten Spiel
–;
alles was nötig war,
der Vereinbarung gemäß zu handeln,
ließ sie nicht nur bereitwillig zu,
sondern taute mit jeder Minute mehr auf
und wurde zunehmend leidenschaftlicher.

Der junge Mann spürte
und fühlte sehr wohl,
daß
die Tochter einen wenig attraktiven Körper hatte
–;
auch ihre äußerst trockene Haut
und ihr sprödes Haar nahm er
deutlich wahr,
aber was soll´s sagte er sich

ich mach´s ja auch für Geld.

Erst nach gefühlten zwei Stunden ließ
die Tochter von ihm ab

so sehr war sie in Leidenschaft geraten,
und er schlief auch umgehend an
ihrer Seite tief
und fest ein.

Am anderen Morgen

es war schon taghell
–,
fand er sich allein im Bett.

Er zog sich an
und stieg
die Treppe zum Salon hinab.

Dort begegnete er dem alten Bediensteten,
den er nach
der Dame des Hauses
und
der Tochter befragte.

Dieser sagte,
indem er dem jungen Mann den
Umschlag mit
der beachtlichen Summe Geldes überreichte,
Frau Baronin sei schon wie jeden
Morgen früh aus dem Haus um
auszureiten,
sie komme erst gegen Mittag wieder,
aber eine Tochter,
was für eine Tochter meine er,
die Baronin habe keine.

Das ernüchterte den jungen Mann sehr.

„Und in welchem Zimmer habe ich heute
die Nacht verbracht?“

Ein fast unmerkliches Lächeln zeigte sich bei
der Antwort im Gesicht des Bediensteten:
„Im Schlafgemach
der Baronin.“

Ob sich diese Geschichte wirklich zugetragen hat,
konnte mir
der Erzähler nicht mit Bestimmtheit sagen,
da sie ihm selbst aus zweiter
Hand erzählt wurde.

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