Sehen

Einiges über Martha

Ferdinand Freiherr von der Ferne

Wie kann eine leere Frau
so ausgefüllt erscheinen?
Wie kann man für sich
selber klarkriegen, daß sie
trotzdem jede Menge hat?
Und zu bieten hat.

Martha ist eigentlich eine richtige
Schlampe, wenn ihr mich fragt.
Und wenn ihr sie sehen
würdet, so würdet ihr
mir recht geben.
Sie ist unsauber, tut aber
so etepetete und kämmt
dauernd ihr Haar, und
schminkt sich die Augen
und die Lippen.
Mal in Rottönen, dann
wieder Lippen pink und
Augenlider grellgrün.
Abscheulich.
Richtig nuttig.

Dann hat sie etwas zu
kräftige Beine.
Ja, eigentlich sind´s nur
die Oberschenkel, nach unten
hin alles normal schlank.
Aber echt, ich würde sagen,
eigentlich dicke Beine.
So.
Aber wenn man die mal
gestreichelt hat, oder gar
geküßt, berochen…
Na dann nimmt man den
Umfang der Oberschenkel doch
gern wieder in Kauf.

Und ihr Oberkörper ist dagegen
dünn, schlank kann man sagen.
Körbchengröße C, wenn ihr
wißt was das heißt.
Dabei hat sie einen Hintern
der glatt zu ihren kräftigen
Beinen paßt.
Das ja.
Aber gesamtgesehen – eher unproportional.
Aber trotzdem, Martha hat was.

Sie ist so naiv.
Nein, eigentlich nicht richtig naiv,
sie ist eher so – wie soll
ich sagen, so gutherzig und
schnell bereit die Arme auszubreiten
und einen zu umarmen –
und dann gleich abzuküssen.
Ja, sowas macht sie andauernd,
und auch bei Wildfremden.
Wenn sie jemanden spontan sympathisch
findet ist sie immer so.
Und das nenne ich spezial-naiv.
Gutherzig ist ja noch was anderes.

Aber sie schlägt auch sehr schnell
um in ihrer Stimmung.
Wenn sie´s juckt, dann läßt sie
ihre schlechte Laune an jeder
und jeden aus.
Dann keift sie wie blöd rum,
pöbelt und beleidigt und zeigt
einem die nasse Zunge.

Ich hab mal nen Test in
so ner Situation gemacht, bin gleich
auf sie zu und hab meine Zunge
auch rausgestreckt – direkt vor ihrer,
bis sich unsere Zungen berührt haben.
Und sie: fuhr mit ihrer schleimigen Zunge
von unten nach oben über mein Gesicht –
über meine Nase, bis zur Stirn.
Igitt.
Da hab ich ihr eine reingehauen.
Und das hat sie mir lange nicht verziehen.
Bestimmt ne Woche.

Dann kam sie wieder an und
säuselte mir ins Ohr was sie alles
mit mir machen wolle.
Ich hab dann nachgegeben, klar.
Das was sie mir ins Ohr säuselte
war einfach zu verlockend.
Und sie hielt tatsächlich Wort.
Ja, so ist sie.

Ich will jetzt nicht in einzelne
Details rein, aber ich war danach
ganz schön ausgelaugt.
Sie kein Stück.
Nach ner Viertelstunde wollte sie noch mehr.
Manchmal denke ich, sie ist einfach unglaublich.
So ein Miststück.
Aber so süß, so…

Man muß sie gesehen, man muß sie
erlebt haben.
Ja, man muß sie mal gehabt haben.
Erst dann versteht man´s.

Sie trägt einen nuttigen rosa Angorapulli
und einen schwarzen engen Lederrock.
Furchtbar kurz.
Und Hochhackige, klar.
Was soll man da sagen?
Auf eine Art Affenscharf, aber auf ner andern billig.
Einfach nur billig.
Aber hey, wenn ihr sie…

Und dann ihre Schnorrerei:
„Haste mal ne Kippe?
Kannst mir ´n Zehner leihen?
Nimmst mich mit – du kannst doch
noch fahren Kleiner, oder?“

Nee, denkt nur nicht sie ist
eine Käufliche.
Nie und nimmer.
Sie spricht aber gut über solche,
nimmt sie immer in Schutz und erklärt
warum die das machen und warum es gut ist,
das es sie gibt.

Laßt euch nicht in eine Diskussion
mit ihr ein.
Nicht über dieses Thema, und überhaupt –
mit ihr zu diskutieren lohnt nie,
es ist sinnlos, sie behält immer recht.
Ob sie recht hat oder nicht.

Neulich schlief sie komplett angezogen
im Bett ein, mit den Schuhen noch
an den Füßen.
Ich bin dann im Wohnzimmer auf die Couch.

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