Sehen
Erinnerung an meine Zeit als Judoka
Und kurze Zeit nachdem ich
auch einmal auf der Straße verprügelt worden war,
sah ich einen Film,
in dem auch ein Junge gemobbt wurde
und daraufhin mit Judo-Training anfing
und er lernte,
sich auf diese Art und Weise auch körperlich durchzusetzen.
Das imponierte mir.
Ich wollte auch mich wehren können.
Und da ich nun über freie Zeit verfügte
und nicht mehr Geige spielen üben musste,
ging ich zur nächsten Sporthalle,
dort wo wir auch unseren Sportunterricht hatten,
und meldete mich beim Judo-Training an.
Ich glaube, ich musste auch meinen Vater
erst ein bisschen davon überzeugen,
aber er genehmigte das schließlich,
während meine Großmutter mir die Judo-Kleidung kaufte.
Ich fing ja mit dem weißen Gürtel an,
und das ist der Gürtel für alle Anfänger.
Ich glaube,
ich habe ungefähr ein gutes Jahr Judo trainiert.
Ich habe an einem Wettkampf auch tatsächlich teilgenommen,
der in unserer Sporthalle war.
Allerdings habe ich dort verloren.
Ich habe abgeklopft
und dachte,
dann geht es vielleicht weiter,
aber nein,
das Abklopfen war schon das Ende des Kampfes.
Ich wollte noch an einem zweiten Wettkampf teilnehmen,
der irgendwo in Oranienburg stattfinden sollte.
Jedenfalls sollten wir uns dort einfinden,
aber irgendwie muss ich den Zug verpasst haben.
Als ich in Oranienburg ankam,
war keiner mehr da.
Na gut,
dachte ich mir,
bin ich zurückgefahren.
Es war an einem Sonntag,
das weiß ich noch,
und ich hatte dann also eine Fahrt umsonst gemacht.
Ich bin beim Judo nicht ganz glücklich geworden,
nicht weil ich dort nicht einiges gelernt hätte.
Das Bodenrandori hat mir immer viel Spaß gemacht,
was ja so ein bisschen eher wie ein Ringen war,
aber das Hinfallen,
also die Würfe,
waren mir immer irgendwie zuwider.
Ich habe es nicht gelernt,
richtig zu fallen,
und die Knochen taten mir immer weh.
Fallen ist beim Judo wirklich eine wesentliche Angelegenheit,
die man beherrschen muss.
Ansonsten kann man sich da stark verletzen.
Ich glaube, es war nicht mehr als ein Jahr,
wie gesagt,
und dann wechselte ich die Sportart,
weil ich wurde auch gefragt,
ob ich nicht Leichtathlet werden wollte,
und diese Frage machte es mir leicht,
von Judo auf Leichtathletik zu wechseln.
Vor allen Dingen, weil ich sehr gerne 100 Meter gelaufen bin
und Weitsprung gemacht habe.
Das kam mir doch weit mehr entgegen.
Und so endete also die Judo-Karriere
mit einem verunglückten Wettkampf
und etlichen blauen Flecken beim Hinfallen.
Aber trotzdem bin ich der Meinung,
hat mich das Judo-Training ein bisschen selbstbewusster gemacht,
was körperliche Auseinandersetzungen betrifft.