Sehen

Erinnerung an meine Zeit als Theater-Beleuchter

Sandro Mohn

Nachdem ich Beleuchtung im Franzclub gelernt hatte
und das Ganze leider auch wieder zu Ende war,
weil der Franzclub dicht gemacht hatte,
bekam ich kurze Zeit später ein Angebot
bei einem kleinen Theaterprojekt
das Licht zu übernehmen.

Ich kann gar nicht mehr sagen,
wie ich zu diesem Angebot gekommen bin,
weil ich damals so ohne Weiteres
keinen Kontakt zur Theaterszene hatte.

Es könnte höchstens sein,
weil ich ja Gasthörer war
an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf,
dass ich darüber an das Angebot gekommen bin.

Aber ich kann das nicht mehr
mit absoluter Sicherheit sagen.

Ich weiß nur, dass eines Tages, wie gesagt,
ich das Angebot bekam,
wir sechs Proben hatten
und sechs Mal tatsächlich das Stück dann aufgeführt haben.

Es war in der Leipziger Straße
ein kleinerer Club bzw. kleinerer Theatersaal
für vielleicht 100 Zuschauer
und ich ahnte schon,
dass dieses Theaterstück
kein großer künstlerischer Erfolg wird.

Natürlich waren zur Premiere
eine Menge Leute da,
aber das waren die ganzen Freunde und Bekannten
der Schauspieler.

Ansonsten fand ich es nicht gerade sehr interessant,
was die Leute dort machten.

Also der Regisseur,
eine kleine schmächtige Person,
war der Meinung,
er müsse Dick und Doof
mit einem antiken Text
über den Philosophen Sokrates kombinieren.

Und zwar der Dialog,
wie er das Gift nimmt und stirbt.

Mir war schleierhaft,
wieso das mit einer Dick-und-Doof-Parodie kombiniert wurde.

Die beiden Sachen hatten überhaupt nichts miteinander zu tun
und das Ganze war auch irgendwie schlecht gespielt.

Aber na gut, ich machte halt meine Lichtshow
und gut war es.

Das, was mich eigentlich heute noch ärgert,
ist, dass ich diesen Job für lau gemacht habe.

Das heißt, ich habe kein Geld bekommen.

Das einzige war, glaube ich,
dass ich hinterher mir eine kostenlose Cola besorgen konnte
am hauseigenen Getränkestand,
wo eine junge Polin uns als Tresenkraft bediente.

Und ich glaube, ein Freund,
den ich überredet hatte,
sich das Stück anzuschauen,
meinte hinterher,
dass diese kleine polnische Tresenkraft
mich gut finden würde,
was ich gar nicht mitbekommen hatte.

Aber so ist das manchmal.

Auf jeden Fall war es eine Bestätigung für mich,
dass die Theaterszene eigentlich eine ausgelutschte Angelegenheit ist
von Leuten,
die nicht wirklich kreativ sind.

So hart muss man das sagen.

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