Sehen
Erinnerungen an akzeptable Ostmode
Hin und wieder gab es ja Ostprodukte,
die begehrt waren
und die man auch ganz normal kaufen konnte,
ohne dass man in einen Exquisit-
oder Delikatladen ging.
Bei der Mode, wie gesagt,
gab es auch vereinzelt solche Kleidungsstücke.
Ich weiß zum Beispiel noch,
dass die Goldfuchs-Jeans
aus sehr gutem Jeansstoff bestand,
der eigentlich Jeans aus dem Westen
vom Stoff her ebenbürtig war.
Aber das andere Problem
war natürlich der Schnitt.
Und das Logo Goldfuchs
war natürlich, ja,
da war man ein Mensch zweiter Klasse
mit dem Logo hinten drauf.
Aber trotzdem war es eine gute Jeans.
Das muss ich einfach festhalten.
Aber kommen wir zu den modischen Accessoires,
wo es sozusagen schon ein Stückchen besser war.
Jesuslatschen waren extrem beliebt
und man bekam sie auch relativ einfach.
Und mit diesen Sandalen
war man modisch,
jedenfalls in gewissen Kreisen,
Peacer, Blueser,
war man durchaus angesagt damit.
Dann gab es die Tremper,
das waren flache Schuhe
aus braunem Wildleder
ohne großen Absatz.
Waren sehr bequem zu tragen
und man war,
wenn man dazu eine Jeans hatte,
ganz gut angezogen.
T-Shirts waren T-Shirts,
also weiße,
das war jetzt nicht weiter problematisch.
Da gab es keinen großen Unterschied zum Westen.
Dann gab es eine Mode teilweise,
das waren Fleischerhemden,
die waren so blau-weiß gestreift.
Wenn man davon eins hatte zu einer Jeans,
ja, dann war man schon modisch
nicht schlecht aufgestellt.
Wir haben uns dann auch Windeln besorgt
und gefärbt
und die um den Hals getragen,
beziehungsweise es gab dann einmal
auf dem Alexanderplatz
beim ND-Pressefest,
das war Ende August,
da habe ich mir dann ein PLO-Tuch besorgt.
Obwohl das heute eher eine ideologische Aussage ist,
wenn man ein PLO-Tuch trägt —
damals war es einfach nur ein Mode-Accessoire
und man hat überhaupt nicht mehr darin gesehen.
Ich habe meins noch,
es liegt in der Schublade
und ich habe es schon seit Jahrzehnten
nicht mehr getragen.
Dann gab es noch Hosen aus Baumwolle,
die, ich weiß nicht,
ob das Fleischer- oder Bäckerhosen waren,
jedenfalls war es Berufsbekleidung,
die man dann einfärbte
und unten noch einen Reißverschluss
sozusagen drannähte,
mit der man dann die Hose unten
ein bisschen enger machen konnte,
so Karotten-mäßig.
Die habe ich mir auch einmal gekauft,
eingefärbt,
meine Schwester musste dann unten,
wie gesagt,
die Reißverschlüsse drannähen
und das war auch modisch durchaus angesagt.
Da war ich so 14, 15 Jahre alt,
als ich das getragen habe.
Aber dann wurde es schon problematischer,
was die Mode betraf.
Heute würde man das ganz entspannt sehen,
also wenn man heute ein DDR-Kleidungsstück hätte,
was noch existiert,
würde dieser ideologische Faktor
gar nicht mehr existieren.
Aber damals war es halt
ein absolutes No-Go,
wenn man halt eine Stoffhose aus dem Osten hatte.
Man war nicht cool.