Sehen
Erinnerungen an das frühe Internet
Das erste Mal kam ich
mit dem Internet
in Berührung,
ohne zu wissen,
dass es das Internet war.
Das war witzigerweise
zu Ostzeiten,
in meinem Ausbildungszentrum —
einem Datenverarbeitungszentrum —
wo wir das machten,
was man damals DFÜ nannte,
also Datenfernübertragung.
Wir bekamen Daten gesendet,
die auf Lochstreifen erfasst wurden,
und diese Lochstreifen
haben wir dann
in unseren Computer eingegeben.
Also die langsamste
und primitivste Form des Internets
und was noch witziger war,
war, dass wir anrufen mussten,
tatsächlich bei einer Vermittlungsstelle
und diese Vermittlungsstelle
hat dann die Datenfernübertragung hergestellt
zu dem anderen DVZ
und das hat uns dann seine Daten
über die Telefonleitung übermittelt
und wie gesagt,
wurden die Daten dann
auf Lochstreifen ausgegeben.
Das nannte man aber damals eben
noch nicht Internet,
sondern DFÜ,
war als Konzept aber zu Ostzeiten
wie gesagt schon bekannt
und das allererste Mal
las ich den Namen Internet bewusst
im Fokus beziehungsweise im Spiegel
in einer Kneipe,
das war 1994,
soweit ich mich erinnere —
es muss so November gewesen sein
und dort war dann der Begriff Surfen,
also im Internet Surfen,
das Modewort des Jahres
und dort wurde mir dann
zum allerersten Mal erklärt,
dass es sozusagen so etwas
wie ein Internet gibt,
in dem man über die Webseiten surft.
Ich habe dann bei einem Freund,
der an der Humboldt-Universität
in einem Computerraum gearbeitet hat
als Aufsicht
und dort die Computer ans Internet
angeschlossen waren,
die Möglichkeit erhalten,
zum allerersten Mal
im Internet zu surfen
und wie es so ist,
man sitzt dann davor,
er zeigte mir dann also,
dass es Suchmaschinen gibt,
das war aber noch eine Zeit
vor Google,
da gab es dann sowas
wie MetaGer
oder andere Suchmaschinen
beziehungsweise Yahoo war als Webseite
schon existent,
wo man dann suchen konnte
und man saß dann aber
vor dem Computer
und wusste nicht,
wonach man suchen sollte.
Das allererste, was man dann natürlich eingibt,
ist das Wort Sex,
das hat wahrscheinlich jeder
oder die meisten Männer
als allererstes in ihrem Leben eingegeben
und tatsächlich kam ich dann
auf entsprechende Seiten.
Also die Sexindustrie war
in der Eroberung des Internets
sehr schnell und flott und zügig,
aber da ich keine Kreditkarte besaß
und man damals schon dafür zahlen musste,
habe ich also nur
auf irgendeine Startseite gesehen,
wo irgendwelche Sexbilder
angepriesen waren
und das war es dann.
Das war auch so das Jahr 94
oder 95
und Videos waren da noch überhaupt gar nicht
großartig angesagt,
weil die Geschwindigkeiten dafür
noch viel zu gering waren.
Ich habe mir dann, weil ich es selber haben wollte,
mir eine ISDN-Karte gekauft,
mit der ich immerhin
ein bisschen schneller surfen konnte,
aber es war auch gleichzeitig
unheimlich teuer,
das weiß ich noch
und das hat mich sogar irgendwie
in den Ruin getrieben,
weil das Minutenpreise waren
von 1,70 Euro oder so
und das war auf die Dauer
nicht zu bezahlen,
also das war irre.
Und dann kamen so um das Jahr 2000
die ersten schnellen Leitungen auf,
DSL mit einer monatlichen Flatrate
von der Telekom
und das ging dann ratzfatz.
Ich kann mich noch daran erinnern,
dass so eine Musikdatei,
die man sich runtergeladen hat
per DSL,
dann richtig schnell ging
und das war schon etwas
komplett anderes.
Mit heute überhaupt nicht vergleichbar.
Heute macht man Gigabyte
in zwei Minuten.
Das wäre damals unvorstellbar gewesen,
aber da kann man mal sehen,
wie sich das alles entwickelt.