Sehen
Erinnerungen an den ersten Rom-Besuch
In den Nullerjahren bin ich zum ersten Mal in meinem Leben in der Winterzeit nach Rom geflogen.
Es hatte unter anderem seinen Grund darin,
dass ich auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk für meine damalige Freundin war
und ich wusste, dass sie katholisch ist.
Ich habe sie sogar einmal in der Kirche beten sehen,
beim Gottesdienst,
als ihr Großvater gestorben war
und es dann einen Gottesdienst zu seiner Beerdigung gab.
Von daher wusste ich,
dass sie es schon ein bisschen ernst meint mit dem Glauben.
Ich hatte kurz vorher in einem Zeitungsbericht gelesen,
dass man im Vatikan sich einen Papstsegen kaufen kann.
Das fand ich unwahrscheinlich originell.
Ich habe dann per EasyJet mir eine Reise nach Rom organisiert,
zusammen mit meinem damaligen Geschäftspartner,
der sich ebenfalls dachte:
Oh, keine schlechte Idee,
komme ich mit.
Wir sind dann im Dezember zu zweit für ein Wochenende nach Rom geflogen.
Eigentlich wollten wir nur zwei Tage bleiben.
Wir sind also Sonntag früh los
und wollten dann am Montag zum Vatikan,
uns den Papstsegen besorgen,
und dann am Dienstag früh zurück nach Berlin fliegen.
In Berlin sind wir losgeflogen
bei dem typischen Berliner Wetter.
Nass, kalt, Nieselregen,
unangenehmer Wind,
der einem die Feuchtigkeit ins Gesicht bläst.
Der Himmel war wolkenverhangen und grau.
Wir steigen in Rom aus dem Flugzeug.
Uns empfängt Sonnenschein,
sechzehn Grad.
Ich war vollkommen geschockt,
weil ich damit nicht gerechnet hatte.
Natürlich konnte ich mir den Wetterbericht ansehen,
aber es ist etwas anderes,
wenn man dann plötzlich aus der Kälte in die Wärme kommt.
Ich war dann fasziniert von dem Hotel,
das wir bezogen hatten in der Innenstadt von Rom,
dass dort auf dem Hof Apfelsinen- und Zitronenbäume wuchsen.
Das fand ich unerhört.
Da habe ich auch begriffen,
warum jemand wie Goethe drei Jahre lang sich in Italien aufgehalten hat
und keine Lust hatte,
ins kalte Deutschland zurückzukommen.
Am Montag stellten wir dann zu unserem Entsetzen fest –
was wir nicht wussten –,
dass im Vatikan ein Feiertag war.
Ich hatte dann mit meinem Geschäftspartner verabredet,
dass er zurückfliegt
und ich noch zwei Tage bleibe,
um dann einen Tag später in den Vatikan zu gehen
und auch in seinem Namen den Papstsegen zu kaufen.
Was ich auch tat.
Es ist wirklich merkwürdig:
Man geht dann hinein in einen Raum im Vatikan,
und der sieht aus wie so eine Poststelle.
Dort sagt man dann,
was für einen Papstsegen man haben will,
ob einen großen oder einen kleinen –
das gibt es in verschiedenen Ausfertigungen –,
und mit welchem Bild,
und wie dann der Name ist.
Dann hat man bezahlt.
Der normale Römer hat sich seinen Papstsegen vierzehn Tage später abgeholt.
Da ich aber kein Römer war,
musste ich meine Adresse hinterlassen.
Tatsächlich war es dann so,
dass vierzehn Tage später es an meiner Tür klingelte
und der Postbote mir einen länglichen Pappzylinder übergab,
der den Absender des Vatikans trug.
Da drin war dann der Papstsegen,
rechtzeitig noch,
damit ich ihn zum Weihnachtsfest meiner Freundin schenken konnte.
Es ist so, dass dieser Trip nach Rom mich über den Winter gebracht hat.
Das war für mich eine vollkommen neue Erfahrung,
und seitdem bin ich öfter im Winter im Süden gewesen,
um dem unangenehmen Berliner Winter zu entfliehen.