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Erinnerungen an den Fremdsprachenunterricht

Sandro Mohn

Ab der fünften Klasse war im Osten Russisch
verpflichtend als Fremdsprache vorgesehen.
Neugierig wie ich war, habe ich mich dafür erst mal interessiert,
allerdings relativ schnell irgendwie den Faden oder den Anschluss verloren.

Ich habe zum Ersten keine Lust gehabt, Vokabeln zu lernen.
Das ist ein Problem, das ich mein ganzes Leben irgendwie hatte.
Dieses stupide Auswendiglernen war mir immer ein Gräuel.

Und zum Anderen stellte ich fest,
dass ich Russisch irgendwie nicht als eine schöne Sprache empfunden habe.
Das geht mir bis heute so.

Auch wenn ich für die Sowjetunion durchaus Sympathien hegte,
was auch mit der Raumfahrt zusammenhing und Science-Fiction,
ich habe auch sehr viel sowjetische und russische Science-Fiction-Literatur gelesen,
natürlich ins Deutsche übersetzt.

Aber die Sprache als solche war mir unangenehm.
Im Gegensatz zum Ungarischen.

Ich habe Ungarisch zwar nie gelernt,
aber Ungarisch immer als schön empfunden.
Vor allen Dingen in der Rockmusik.

Ich habe ja Bands wie Omega oder Carthago
oder auch P-Mobile oder Pandora's Box gern gehört.

Und Ungarisch ist, finde ich, eine unheimlich kraftvolle Sprache,
die für den Rock'n'Roll wie geschaffen ist.

Später habe ich fakultativ noch Englisch dazugenommen.
Das war, soweit wie ich mich erinnere, ab der siebten Klasse.

Dann musste ich in der nullten Stunde antanzen,
beziehungsweise hatten wir dann noch eine Stunde hinten dran,
wenn die anderen Schüler, die fakultativ kein Englisch gewählt hatten, nach Hause gehen konnten,
saßen wir Englischschüler noch und haben uns dann mit dieser Sprache rumgequält.

Da war es etwas anders.
Es war natürlich etwas leichter zu verstehen.
Die Buchstaben waren auch wie im Deutschen.

Aber auch da habe ich irgendwie keine Lust gehabt, Vokabeln zu lernen.

An einem bestimmten Punkt war es mir auch nicht einsichtig,
wie konnte ich denn als DDR-Bürger mit dem Englischen irgendwie reüssieren.

Es war für mich eine theoretische Sprache,
die gut in der Rockmusik vorkam
und man hätte sich jetzt Texte übersetzen können,
aber ansonsten keine Chance, sie wirklich aktiv zu sprechen.

Von daher habe ich auch in der Schule irgendwie mich da nicht sonderlich angestrengt.

Ich habe es trotzdem geschafft, in den Zensuren irgendwie auf zwei zu kommen.
Niemand darf mich fragen, wie ich das geschafft habe.

Und ich glaube, wenn ich in einer Prüfung
dran gekommen wäre in der zehnten Klasse,
wäre ich jämmerlich gescheitert.

Aber Gott sei Dank ist mir dieses Los erspart geblieben.

Ich habe dann in den 90er Jahren noch
in der Volkshochschule nochmal Spanisch und Englisch gemacht.

Ja, es hat mir ein bisschen mehr Spaß gemacht,
aber auch da hätte ich im Endeffekt lernen müssen.

Und ich bin kein Auswendiglerner.
Das ist meine große Schwäche.

Und jetzt hoffe ich einfach nur darauf,
dass es KI-Übersetzungskopfhörer gibt.

Und dann ist für mich die Sprachbarriere erledigt,
weil die KI mir hilft, die Sprache zu verstehen.

Ich hoffe, Sie als Leser verstehen mich.

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