Sehen
Erinnerungen an den Hackeschen Markt
Der Hackesche Markt
war auch zu Ostzeiten schon ein belebter Platz.
Früher war ja in der Nähe dort die Börse gewesen,
und der Bahnhof hieß Bahnhof Börse.
Zu Ostzeiten dann Marx-Engels-Platz.
Nach der Wende wurde daraus
der S-Bahnhof Hackescher Markt.
Die Hackeschen Höfe waren auch zur Ostzeit interessant.
Sie wurden vom Osten irgendwann rekonstruiert,
was die Wohnungen betraf.
Aber es war halt eine Ost-Rekonstruktion,
und die Gewerberäume waren alle noch in einem schrecklichen Zustand.
Das Interessante ist:
Vorne gab es in den Hackeschen Höfen
einen Kleider-An- und -Verkauf,
wo man alle möglichen Secondhand-Klamotten erstehen konnte.
So etwas wie Humana heute.
Ich habe damals auch eine Lederjacke verkauft,
die ich irgendwie nicht mehr brauchte
oder glaubte zu brauchen.
Und ich brauchte ein bisschen Geld,
muss man ehrlicherweise dazu sagen.
Da habe ich dann die Klamotten abgegeben
und auch nur eine Handvoll Mark bekommen –
also eigentlich in keinem Verhältnis.
So richtig blühte der Hackesche Markt
dann erst nach der Wende auf,
indem er sorgfältig rekonstruiert wurde.
Legendär war dort das Varieté Chamäleon.
Ich habe mir dort so manche Show angesehen.
Aber auch dieser Ort
hat viele Metamorphosen hinter sich,
und die Anzahl der Läden und Gaststätten,
die sich da drin befunden haben,
hat im Laufe der Zeit
auch sehr oft gewechselt.
Heute ist es etwas ruhiger geworden.
Die Szenecafés sind auch alle nicht mehr so besucht
wie noch früher.
Obwohl man sagen muss,
dass das Café Cinema,
das erste freie Szene-Café nach der Wende dort,
heute noch existiert.
Aber ich habe letztens einen Blick reingeworfen,
und es saß niemand drin.
Ich frage mich,
wie solche Läden die sicherlich nicht niedrigen Mieten
schaffen aufzubringen.
Aber irgendwie muss es ja gehen.
Vielleicht ist es auch nur ein Geldwäscheort geworden –
das kann ich nicht beurteilen,
aber denkbar ist alles.