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Erinnerungen an den Mittagsschlaf

Sandro Mohn

Der Mittagsschlaf war etwas,
was ich immer, nun,
ungern kann man nicht sagen,
aber mich gelangweilt hat,
weil ich oft nicht einschlafen konnte.

Das heißt, ich lag im Kindergarten,
dann im Schlafsaal auf einer Liege
und habe eine Stunde oder anderthalb Stunden,
ich weiß nicht mehr,
wie lange wir dort Mittagsschlaf halten sollten,
lag ich da
und zählte die Minuten,
bis das Ganze vorbei war.

Ich konnte nicht einschlafen
oder ich erinnere mich,
dass ich nicht einschlafen konnte,
jedenfalls zur damaligen Zeit nicht.

Mittagsschlaf wurde ja dann sogar noch
in der ersten
und ich glaube auch noch
in der zweiten Klasse praktiziert
und dann ab der dritten
gab es das nicht mehr.

Ich kann mich auch gar nicht daran erinnern,
was für Decken es damals gab
und wie das geregelt war,
dass man nicht irgendwie eine dreckige Decke hatte
oder wie das mit den Bettlaken war.

Das ist vollkommen in meiner Erinnerung nicht mehr abrufbar.

Ich glaube auch zum Beispiel,
dass es komische Kästen gab im Kindergarten,
im Schlafsaal,
wo man dann drauf lag,
die gar keine richtigen Betten waren,
aber scheinbar müssen da irgendwelche Matratzen
draufgelegen haben.

Ich weiß es nicht mehr.
Es ist ein großes Mysterium.

Ich weiß nur, man hat sich ausgezogen
bis auf die Unterhose
und hat sich dann dort hingelegt
und versucht zu schlafen.

Viele Kinder haben auch geschlafen,
ich aber nicht.

Interessanterweise ist das heutzutage ganz anders.

Ich empfinde einen guten Nachmittagsschlaf durchaus
als entspannende Angelegenheit
und im Gegensatz zur Kindheit
kann ich auch jetzt mich nachmittags hinlegen
und eine halbe oder eine dreiviertel Stunde
oder eine Stunde dösen
und zur Ruhe kommen.

Es macht auch manchmal Spaß,
einfach dann,
wenn die Wohnung schön warm ist,
unter eine Bettdecke zu kriechen,
die irgendwo ein bisschen kalt ist
und so ein bisschen etwas Frisches hat.

Oder ich lege mich auf die Couch,
decke mich da ein bisschen zu,
merke, wie der Kater sich neben mich legt,
rankuschelt,
und dann schlafen wir beide ein.

Ich kann gar nicht sagen,
woher dieser Mentalitätswechsel kam,
warum ich als Kind nicht schlafen konnte,
während es heute problemlos geht.

Das ist etwas, was ich nicht erklären kann.

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