Sehen
Erinnerungen an den Palast der Republik
Ich kann mich sowohl an den Bau
wie auch an den Abriss
des Palastes der Republik
noch sehr gut erinnern.
Wenn ich mit meinem Vater
die Karl-Liebknecht-Straße lang ging,
dann sah ich Mitte der 70er Jahre
so Betonstümpfe in den Himmel wachsen.
Das war der Beginn des Palastes,
als man ihn baute,
und diese Stümpfe sah ich dann erst wieder,
als er abgerissen wurde.
Der Palast der Republik
war so eine zwiespältige Angelegenheit
für die Berliner.
Einerseits verspottet,
andererseits hat man ihn doch angenommen
und doch gute und interessante Veranstaltungen erlebt.
Es gab den großen Saal
mit den Rockkonzerten,
beziehungsweise wo auch die SED
gerne ihre Parteitage abhielt.
Und dann gab es auch kleine Bühnen
mit Kabarett.
Ich kann mich noch an eine Veranstaltung
bzw. Aufführung erinnern,
die da hieß „Da grinsten still die Eskimos.“
Und es gab eine Bowlingbahn,
die immer gut besucht war.
Es gab einen Jugendclub
mit drehbarer Tanzfläche,
an die ich mich auch noch sehr gut erinnern kann.
Und es gab mehrere gute Restaurants
und Bars.
Es war alles sehr großzügig gehalten,
alles sehr hell.
Und man hat sich dort durchaus auch getroffen
oder sich in die Ledersitze gefläzt,
die dort waren.
Ich ärgere mich,
dass ich den Palast der Republik
nicht mal von innen drin fotografiert habe.
Es gab ja dann kurz bevor er abgerissen wurde
nochmal die Möglichkeit hineinzugehen
und ihn sich anzuschauen.
Er wurde relativ schnell zugemacht
wegen angeblicher Asbestgefahr.
Inwieweit das jetzt tatsächlich
für den Einzelnen problematisch war,
kann ich nicht sagen.
Was ich weiß ist,
dass man in den 90ern,
als man die Attrappe des Stadtschlosses aufgebaut hatte,
mir durchaus klar wurde,
dass das Stadtschloss im Zentrum
eine architektonische Funktion erfüllt hat.
Und der Palast doch nur mehr schlecht als recht
dort reinpasste,
was das Äußere betrifft.
Aber als man dann das Stadtschloss neu gebaut hat
und ich mir die Frontseite zur Spree ansah,
also dort wo der Palast gestanden hatte,
war ich doch ein bisschen entsetzt.
Und ich dachte mir,
naja,
da hätte man den Palast der Republik
eigentlich auch in das neu erbaute Stadtschloss
integrieren können.
Denn so viel besser sah die Front
jetzt auch nicht aus.
Und wie gesagt,
innen drin war der Palast
durchaus ein akzeptables Gebäude.
Ich bin an dieser Stelle sowieso traurig,
wenn ich daran denke,
wie schön das Stadtschloss von innen
gewesen sein muss
und worum wir uns gebracht haben.
Aber das ist eine andere Geschichte.