Sehen
Erinnerungen an den Plänterwald
Ein leider seit langem geschlossener Ort
in Berlin ist der Vergnügungspark Plänterwald.
Leider hat es dieser Senat geschafft,
Milliarden Euro in einen Flughafen zu versenken,
einen Berliner Vergnügungsort aber nicht wieder
der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Ich kann mich daran erinnern,
dass ich mit meinem Vater öfter dorthin gegangen bin,
um Karussell zu fahren
oder eine Zuckerwatte zu essen.
Der Plänterwald war auch Kulisse
für einen wichtigen DDR-Kinderfilm,
nämlich „Spuk unterm Riesenrad".
Das Riesenrad war wirklich eine Attraktion,
extrem hoch,
und man konnte über ganz Berlin schauen,
wenn man in einer seiner Gondeln fuhr.
Es gab dort auch die einzige mir bekannte Achterbahn
im Osten.
Und das Kettenkarussell –
daran kann ich mich noch erinnern,
dass ich mich einmal draufsetzte,
das Teil fuhr an,
und mein Vater war ganz entsetzt,
weil der Sicherheitsgurt,
diese Sicherheitsleine um meinen Sitz,
noch nicht eingerastet war.
Er rannte also schreiend zum Fahrgastleiter,
dass ich noch nicht gesichert sei.
Ja, wahrscheinlich hatte er wirklich Angst,
dass ich von diesem Teil falle,
was auch gut hätte möglich sein können,
ich weiß es nicht.
Aber ich habe meinen Vater nie so ängstlich erlebt,
was meine Sicherheit betraf.
Gut, so oft bin ich auch nicht in Lebensgefahr gekommen,
muss man dazu sagen.
Aber der Plänterwald war nicht nur ein Ort zum Vergnügen,
was Fahrgeschäfte und Karussells betraf.
Es gab auch eine Geisterbahn
und ein gläsernes Labyrinth,
durch das man ging
und nicht wusste, wohin.
Aber es war eben nicht nur ein Ort
für solche Vergnügungen,
sondern im Plänterwald wurden auch oft Rockkonzerte gespielt.
Ich habe dort Gruppen erlebt wie Engerling,
Monokel,
Rockbands wie Prinzip,
Omega – eine sehr wichtige Band aus Ungarn –
hat dort auch gespielt.
Und ich habe dort eines meiner Top-drei-Rockkonzerte erlebt.
Und zwar, als dort die ungarische Band Karthago auftrat.
Ich werde es nie vergessen,
es war ein ganz kleines Konzert.
Es waren vielleicht tausend Leute anwesend,
und ich stand einen Meter von der Bühne entfernt.
Dann kam die Gruppe auf die Bühne,
der Gitarrist schlug einmal in die Saiten,
und ab dieser Sekunde war es um mich geschehen.
Ich war Fan von dieser Band.
Ich bin danach in den ungarischen Laden gegangen,
der unweit von mir in der Nähe vom Alexanderplatz war,
und habe mir sofort die Studioalben der Band gekauft.
Und ich habe über dreißig Jahre gebraucht,
fast vierzig Jahre sogar,
um diese Band noch ein zweites Mal im Konzert zu erleben.
Ich bin dazu extra nach Budapest gefahren,
weil sie dort ein Jubiläumskonzert gegeben haben.
Ich habe dann dort die Band zum zweiten Mal erlebt.
Ich war ein bisschen enttäuscht,
muss ich sagen,
weil der Sound damals in Berlin roh und brutal war.
In der Mehrzweckhalle,
so eine Sporthalle,
wie man sie heutzutage auch für Konzerte verwendet,
war die Musik nicht laut.
Und diese Band, Karthago,
ist eine Hardrock-Band,
die man laut hören muss.
Es war ein bisschen abgedimmt,
und damit war der Zauber ein bisschen verflogen.
Trotzdem ist dieses Konzert in mein Gehirn eingebrannt,
und es zählt zu meinen Top-drei-Rockkonzerten.
Ich würde gerne in den Plänterwald noch mal gehen,
aber er ist halt abgeschlossen.
Es ist traurig, dass dieser schöne Ort im Prinzip ein Lost Place geworden ist.
Berlin hätte einen Vergnügungspark mehr als verdient.