Sehen

Erinnerungen an den Vatikan

Sandro Mohn

Bei jedem meiner Besuche
in Rom war ich natürlich auch immer
im Vatikan.

Ich denke, der Vatikan ist für jeden
Rom-Besucher ein Muss.

Es ist schon eine imposante Erscheinung,
wenn man auf dem Petersplatz steht
und den Petersdom sieht.

Aber das kennt ja jeder.

Wie gesagt, das allererste Mal war ich dort,
um mir den Papstsegen zu kaufen.

Ja, man hört richtig,
man kann sich dort den Papstsegen kaufen.

Es gibt aber noch andere kuriose Dinge.

So gibt es den Campo Santo.

Das ist das letzte Stückchen
Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation.

Es ist ein extraterritoriales Gebiet
innerhalb des Vatikans.

Wenn man dort einen Menschen umbringen würde
oder ein anderes schweres Verbrechen begehen würde,
dann würde man nach Österreich ausgeliefert werden,
weil der österreichische Staatspräsident
von diesem kleinen Fleckchen Erde
sozusagen das Staatsoberhaupt ist.

Es ist ein kleiner Friedhof
mit einem angeschlossenen Priesterkolleg,

und dieses Priesterkolleg ist auch wiederum autonom.

Man sagt, dass der Leiter
dieses Priesterkollegs
sein eigener Papst ist.

Es gab schon Klagen,
weil auf dem Dachgarten Partys gefeiert wurden

und man sich da lautstark
bei Wein unterhielt
und die Umgebung störte.

Aber wie gesagt, da hat der Papst keinen Einfluss drauf.

Was hier kurios ist.

Beim dritten Rom-Besuch war ich dann
anlässlich meines Geburtstages –
ich habe mir das also selbst geschenkt –
in den Vatikanischen Museen.

Es ist schon keine schöne Angelegenheit mehr,
weil es derart überlaufen ist
und so viele Leute reindrängeln,
dass man eigentlich von einem Museumsbesuch
gar nicht mehr sprechen kann.

Das ist teilweise fast schon so,
als wenn bei Karstadt
der große Räumungsverkauf ist
und alle sich davor drängeln.

So ungefähr muss man sich das vorstellen.

Dann heißt es immer,
die Frauen sollen knielange Kleidung tragen.

Da habe ich aber auch viele erlebt,
die sich daran überhaupt nicht gehalten haben.

Sowie auch in der Sixtinischen Kapelle,
wo man eigentlich schweigend durchgehen soll

und die Decke nicht fotografieren soll.

Natürlich haben alle geschwatzt
und alle die Decke fotografiert.

Die Ordner rannten verzweifelt hin und her
und haben immer „Pst, pst!" gerufen,
damit man nicht redet.

Aber es war ein permanentes Gemurmel,
und ich glaube, wenn Sie die Sixtinische Kapelle besuchen,
wird es bei Ihnen auch nicht anders sein.

Die Schweizer Garde –
oder sagen wir besser:
die Bewachung des Vatikans –

hat sich im Laufe der Jahrzehnte,
seitdem ich das erste Mal dort war,
auch stark verschärft.

Ich glaube, mit den Terroranschlägen,
die es in Europa gab,

hat sich die Sicherheitslage
auch im Vatikan stark verändert.

Man war früher lockerer,
und heute ist alles sicherheitsüberwacht.

Man passt auf, dass nichts geschieht.

Wen wundert's bei der Weltlage?

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