Sehen

Erinnerungen an die ersten Plattenspieler

Sandro Mohn

Mein Vater hatte mitbekommen,
dass ich auf harten Rock'n'Roll
und Heavy Metal stand
und ich die Gruppe AC/DC
als Teenager gut fand.

Da gab es tatsächlich
eine Lizenzplatte
von ihrem letzten Album
mit Bon Scott,
„Highway to Hell".

Und ich bekam zu Weihnachten
die Platte geschenkt.
Das große Problem war nur:
Ich hatte zu diesem Zeitpunkt
keinen Plattenspieler.

Um die Platte zu hören,
musste ich immer
zu meinem Vater gehen.

Ich bat ihn dann meistens,
nachdem ich mich bettfertig
gemacht hatte,
dass ich gerne
die Platte hören würde.

Er hatte eine gute Anlage,
ich glaube,
es war ein Dual-Plattenspieler
aus dem Westen.

Dann setzte ich mich
neben den Plattenspieler,
bekam den Kopfhörer
aufgesetzt
und konnte mir die Platte anhören.

Es muss ein Bild für die Götter gewesen sein.

Der Sohnemann hört im Wohnzimmer
im Nachthemd Hardrock,
während der Vater
auf der Schreibmaschine tippt
oder seine Münzsammlung sortiert.

Das ständige Musikhören
fand mein Vater natürlich
nicht ganz so toll,
dass ich dann sozusagen
im Wohnzimmer saß,
während er noch
irgendetwas arbeitete.

Daraufhin bekam ich
kurze Zeit später
den ehemaligen Plattenspieler
meiner Stiefmutter geschenkt.

Allerdings war das so ein Mono-Teil,
aber gut,
ich konnte damit erst mal
in meinem eigenen Zimmer hören.

Als ich dann Jugendweihe hatte
und etwas Geld bekam,
kaufte ich mir
meinen ersten eigenen
Stereo-Plattenspieler,
vor allen Dingen auch
mit einem Kopfhörereingang.

Ich habe mir zu dem Plattenspieler
auch einen Kopfhörer gekauft,
sodass ich zum allerersten Mal
richtig laut Musik hören konnte,
ohne irgendjemanden zu stören.

Man kennt das ja: Rockmusik muss laut gehört werden,
und dann möchte man nicht,
dass die Eltern ins Zimmer kommen
und sagen,
dreh mal die Musik leiser.

Mit einem Kopfhörer
war das natürlich kein Problem,
und ich konnte auch nachts
zum Einschlafen Musik hören.

Meine erste wirkliche
HiFi-Stereo-Anlage
habe ich mir ein paar Jahre später
von meinem ersten selbst verdienten Geld
gekauft.

Ich hatte in den Ferien gearbeitet.

Im Hotel Metropol gab es
in der Topfspüle
einen Ferienjob für mich.

Es war ein total beschissener Job,
allerdings gut bezahlt.

Ich habe dort das Geld angespart,
um mir eine wirklich gute Anlage
zu kaufen,
die HiFi-Qualität hatte.

Das waren noch Zeiten,
als man sich über
Zwei-Wege-Bass-Reflex-Boxen
wie ein Schneekönig gefreut hat.

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