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Erinnerungen an die Intershops

Sandro Mohn

Wenn man ein Gefühl von Westen haben wollte,
gab es in der DDR nur zwei Varianten.

Entweder man ging in einen Delikat-
oder Exquisitshop
oder, wenn man es noch eine Stufe höher haben wollte,
dann ging man in einen Intershop.

In einem Delikat- oder Exquisitladen
bekam man für viel Geld
deutlich bessere Waren.

Ich kann mich daran erinnern,
dass zum Beispiel am Alex
ein Exquisitladen existierte,
wo man schöne Pullover und Hosen bekam,
wenngleich man wirklich viel Geld hinlegen musste.

Interessanterweise ist dieser Laden
bis heute ein Klamottenladen geblieben,
der von Levis betrieben wird.

Das ist einer der ganz wenigen Läden,
die im Laufe der Zeit
vom Warensortiment im Endeffekt gleich geblieben sind.

Ansonsten gab es ja viele Metamorphosen von Läden.

Aber wenn man wirklich es noch eine Stufe anders haben wollte,
vor allen Dingen auch was den Geruch betraf
oder die Atmosphäre,
dann ging man in einen Intershop
und es roch dort immer nach Westen.

Ich weiß nicht genau,
was es gewesen ist,
ob es der Kaffee war
oder ob es die Schokolade war.

Aber jedenfalls es duftete so,
wie der Osten niemals roch.

Vielleicht waren es auch die Putzmittel,
denn ich kann mich daran erinnern,
dass nach der Wende,
wenn man in eine Westberliner U-Bahn ging,
diese auch nach Westen roch,
nach dieser speziellen Reinigungschemie.

Heute rieche ich das nicht mehr,
vielleicht gibt es auch diese Mittel gar nicht mehr.

Jedenfalls umfing einen auch
in so einem Intershop,
jedenfalls ist das meine Erinnerung,
als wäre das Ganze dort
mit einer Klimaanlage ein bisschen kühler,
als würde einen so ein Westluftzug umwehen.

Und wenn man ein bisschen Westgeld hatte,
dann ist man dort einkaufen gegangen.

Ich als Kind habe ein paar Mal
ein paar Westmark bekommen,
die man dann in sogenannte Forumschecks umtauschen musste,
die man dann im Intershop benutzen konnte zum Bezahlen.

Und da dort die Preise auch sehr merkwürdig waren,
hat man sehr genau vorher überlegt,
was man kaufen will.

Und es gab zum Beispiel dann
für 50 Pfennige einen Tintenkiller oder Tic Tac,
sodass man sehr genau überlegte:
will ich ein Matchbox-Auto
oder für den Rest des Geldes einen Tintenkiller?

Und um noch die letzten 50 Pfennig auszureizen,
eine Packung Tic Tac.

Und dann war man glücklich.

Und es war immer etwas Besonderes,
dort einzukaufen.

Aber manchmal ging man auch einfach nur rein,
um quasi gesehen zu shoppen,
ohne etwas zu kaufen.

Also man wollte einfach sehen,
was es für schöne Tape Decks
oder andere technische Geräte gibt,
die man sich nie leisten können wird.

Aber man möchte einmal so etwas in Realität sehen.

Und dann ging man halt in den Intershop.

In der Nähe vom Palast der Republik
existierte einer
in einem Hotel in der ersten Etage.

Und das war auch ein Ort,
wo ich dann ab und zu hinging,
um ohne etwas zu kaufen,
shoppen zu gehen.

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