Sehen

Erinnerungen an die Museumsinsel

Sandro Mohn

Die Museumsinsel ist ein Gebiet,
woran ich mich sehr gut erinnern kann,
weil ich mit meinem Vater
auf dem Weg zum Kindergarten
oft dort vorbeigelaufen bin.

Dazu muss man wissen,
dass die große Brücke,
die man überquert,
wenn man vom S-Bahnhof
zur Museumsinsel geht,
noch bis in die 80er Jahre hinein
aus Holz bestand,
weil sie wie auch die Brücke
beim Bodemuseum
im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war
und man nach dem Krieg
kein Geld und keine Ressourcen hatte,
um sie wieder aufzubauen
und sich deshalb
mit einem Behelf aus Holz
begnügt hat.

Es war auch so, dass bei den Säulen
sehr viel kaputt war
und man auch Gräben hatte.

Ich glaube, es ist das neue Museum,
das vollkommen zerstört war
und eine Ruine.
Man hat es ja erst
nach der Wiedervereinigung angefangen
wieder aufzubauen.

Und es sah also schlimm aus,
aber man hatte sich merkwürdigerweise
daran gewöhnt.

Woran ich mich nicht gewöhnt habe,
ist, dass man nach der Wende
das Ganze neu aufgebaut
und es teilweise von außen
in einer schrecklichen Ästhetik gestaltet hat.

Die neue James-Simon-Galerie
passt überhaupt nicht
zu der bestehenden alten Bausubstanz.
Die Säulen haben vollkommen andere Formen
und vollkommen andere Proportionen
vor allen Dingen.

Und es sieht aus wie jemand,
der keine Ahnung von Ästhetik hat,
der so etwas genehmigt hat.

Ich finde das also schrecklich
und frage mich,
auf wessen Mist das gewachsen ist.

Das, was für mich auch noch interessant war,
ist, dass es,
als man das Stadtschloss wieder aufbaute,
eine Ausstellung gab
und in dieser Ausstellung
gab es ein großes maßstabsgetreues Modell
von der Innenstadt von Berlin
um die Museumsinsel und drumherum.

Und dort konnte man sehen,
dass von der Nationalgalerie
zum Neuen Museum
eine Verbindung existierte,
die sich über die Straße erstreckte
und die im Zweiten Weltkrieg auch zerstört worden sein muss.

Und man kann heute,
wenn man entlanggeht
und wenn man es weiß,
dann sieht man sozusagen,
wo diese Verbindung bestanden haben muss.

Das ist für mich auch immer wieder
ein faszinierender Punkt zu sehen,
wie anders Berlin vor dem Krieg
gewesen sein muss.

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