Sehen

Erinnerungen an die Tanklagerparties

Sandro Mohn

Bei der Armee
waren die Tanklager-Partys
legendär.

Zum einen gab es dort
reinen Alkohol
in rauen Mengen,
weil dies zu dem Aufgabengebiet
gehörte –
sie versorgten die Flugzeuge
mit Benzin und Alkohol.

Zum anderen war in der Nähe
des kleinen KDL –
das war der Kontrolldurchlass –
nicht weit
ein kleiner Ortsteil,
wo es eine kleine Kneipe gab,
wo man Alkohol kaufen konnte.

Während des Wochenendes
war das Tanklager
nur von Soldaten
und Unteroffizieren
bevölkert.

Die Offiziere waren abwesend,
und von daher gab es niemanden,
der kontrollierte,
ob man sich illegal Alkohol besorgte
oder nicht.

Zwar kam einmal am Tag
der OvD vorbei,
also der Offizier vom Dienst,
aber das wurde großartig
immer angekündigt,
sodass man alles verstecken konnte
und sich zu benehmen wusste.

Damit der OvD unverrichteter Dinge
wieder abzog
und die Leute in Ruhe ließ.

Das Tanklager gehörte
zum Flugplatz,
wo die Flugzeuge stationiert waren.

Der Flugplatz war ein separates Armeeobjekt,
nicht weit vom eigentlichen Armeeobjekt entfernt,
aber es gab sozusagen
ein bisschen Niemandsland
dazwischen.

Es gab auf dem Flugplatz
eine kleine Besatzung
an Personal,
das eben doch am Wochenende da war,
und es gab auch die Küche 2 –
das war die Küche
für den Flugplatz.

Das Tanklager rief dann
bei der Küche an
und sagte:
Wir machen Party.

Irgendwann wurde auch Musik angemacht
und getanzt –
das heißt:
Männer.

Die Küche kam dann mit Steaks,
und das Tanklager
steuerte den Alkohol bei.

Dann wurde gefeiert.

Man tanzte ausschließlich
unter Männern
in dieser Armee-Disco.

Und irgendwann, wenn sie so besoffen waren,
fielen sie auch einander in die Arme
und tanzten eng umschlungen
miteinander.

Ich weiß noch, der eine hat angefangen,
beim anderen rumzukrabbeln,
worauf der andere
schreiend protestierte,
dass er nicht schwul ist.

Aber es waren alle so alkoholisiert,
dass das fast schon gar kein großer Skandal
gewesen ist.

Manchmal wurden auch die LKWs
rausgeholt,
und dann wurde um die Tankstelle
ein Wettrennen veranstaltet –
natürlich alle besoffen.

Es passierte dann auch schon mal,
dass man einen LKW
ins Kiesbett setzte.

Man hat mir erzählt,
dass man dann mit dem Kran
den LKW wieder rausziehen musste.

Aber am Montagmorgen
waren alle Schäden beseitigt,
und die Offiziere
schöpften keinen Verdacht.

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