Sehen

Erinnerungen an eine Beinahe-Prügelei

Sandro Mohn

Ich war in der 10. Klasse
in einem speziellen astronomischen Jugendclub.

Ich war ja in zwei Jugendclubs,
einmal an der Archenholzsternwarte
und dann gab es aber noch einen anderen astronomischen Jugendclub,
den mein Astronomielehrer organisiert hat.

Und es ist so, dass Astronomie nur in der 10. Klasse unterrichtet wurde,
also für ein Jahr lang.

Und dort lernte ich ihn kennen
und er lud mich dann ein,
ob ich nicht an seinem Projekt teilnehmen wolle,
was ich dann auch gerne gemacht habe.

Und er hatte in einem kleinen mecklenburgischen Dorf
eine Sternwarte rekonstruiert,
die von einem Adligen vor 200 oder 300 Jahren einst erbaut wurde
und die zum damaligen Zeitpunkt nur noch eine Ruine war.

Und er hatte organisiert,
immer in den Ferien dorthin zu fahren
und Stück für Stück das Restgebäude,
die Ruine,
wieder herzurichten.

Ich hatte dann in den Sommerferien daran teilgenommen.
Das waren ja meine letzten Sommerferien als Schüler,
danach begann ja meine Lehre.

Und ich kann mich noch sehr gut daran erinnern,
dass wir in einer Schule untergebracht waren,
auf diesen obligatorischen Campingliegen übernachteten wir.

Und ich glaube, wir waren aber natürlich nach Jungs und Mädchen getrennt.

Also es war die Hälfte waren Jungs,
die Hälfte waren Mädchen.

Ich glaube, wir waren so 15 Personen,
die dann tagsüber gebaut haben
und Beton geschleppt
und zementiert
und was es nicht alles für Ausbauarbeiten gegeben hat.

Und am Wochenende natürlich
war dann Amüsement angesagt.

Und wir sind in die örtliche Dorfdisco geschlendert,
wo wir dann tanzen wollten.

Was ich freilich nicht wusste —
dass ich als Berliner in so einem Dorf eine Dorfattraktion bin,
für die Damen einerseits,
für die Herren aber natürlich ein schrecklicher Konkurrent.

Und auf dem Dorfe war man der Meinung,
so etwas über eine Schlägerei klären zu müssen.

Ich habe also mich ein bisschen
mit der weiblichen Dorfjugend unterhalten.

Ich habe eigentlich nicht großartig geflirtet,
dafür war ich viel zu schüchtern.

Aber man war der Meinung halt,
das wäre schon zu viel gewesen.

Und so kam dann ein junger Typ auf mich zu
und meinte,
mit mir vor die Dorfdisco zu gehen,
um sich dort mit mir zu prügeln.

Ich habe ihm aber den Gefallen nicht getan
und bin einfach nicht mit rausgegangen.

Und bevor das Ganze dann irgendwie eskalieren konnte,
ist unser Chef mit uns dann auch
von der Dorfdisco wieder abgehauen.

Ich denke mal, er hat mir keinen Vorwurf gemacht,
so ist halt die Dorfjugend.

Und die Mädchen haben sich dann auch tags darauf versucht,
sich bei mir zu entschuldigen,
dafür,
dass dieser Typ so ein bisschen gewalttätig werden wollte.

Es hat mich natürlich nirgendwo geschmeichelt dafür,
dass ich halt als großartiger Konkurrent durchging.

Aber andererseits war mir so etwas doch zuwider
und ich hatte keine Lust auf eine körperliche Auseinandersetzung,
auch wenn ich damals schon ein bisschen halt Judo gemacht hatte
und noch ein bisschen geboxt.

Aber trotzdem war mir so etwas zu suspekt.

Heute denke ich daran,
eher belustigt zurück.

Und manchmal frage ich mich,
wie es wohl ausgegangen wäre,
wenn ich mich geprügelt hätte.

Aber andererseits hätte das eben auch
fürchterlich ins Auge gehen können.

Wie dem auch sei.

Die Sternwarte ist Jahrzehnte später tatsächlich fertig geworden,
obwohl ich nur ein Jahr daran teilgenommen habe.

Ich habe an der Rekonstruktion mit daran teilgenommen.

Zugriffe gesamt: 14