Sehen

Erinnerungen an eine Radiosendung

Sandro Mohn

Der Rundfunk im Osten
hat eine Sendung gemacht,
und zwar von sieben bis zehn:
Sonntagmorgen in Spreeathen.

Das war eine Live-Sendung.
Und die wurde an verschiedenen Orten
in Ost-Berlin produziert.

Das war bei der Volkssolidarität,
eine soziale Organisation,
die sich vor allen Dingen auch
um ältere Menschen kümmerte.
Die gibt es heute übrigens noch.

Ich war so sieben oder acht Jahre alt,
und es war aufregend,
so eine Radiosendung live zu sehen,
wie sie hergestellt wird.

Da gab es Moderatoren
und es gab eine Live-Band,
die spielte.

Was mich aber nervte,
war dieses künstlich hergestellte Bild
von guter Laune.

Dann musste man sich unterhaken
und schunkeln zur Musik.

Das war mir damals schon
so eine Art Karnevalsfröhlichkeit,
die sowohl für Berlin
absolut untypisch ist.

Es gab dann ein anderes Highlight für mich.
Der Moderator wollte,
dass ich ein Tier nachmache.

Und das war tatsächlich wirklich live.
Ich war also im Radio zu hören.

Und da mir nichts anderes einfiel,
habe ich ein Schweinchen nachgemacht
und dann ins Mikrofon gegrunzt.

Als Belohnung habe ich dann
einen Schlitten erhalten.

Ich kann aber gar nicht mehr sagen,
ob ich diesen Schlitten
direkt mitnehmen konnte
oder er dann irgendwie per Post
zugestellt wurde.

Ich weiß nur, dass ich mit diesem Schlitten
tatsächlich dann öfter in Berlin
rodeln war.

Bei uns in der Gegend
gab es den Weinbergsweg,
ein kleiner, bescheidener Berg,
der, naja,
für bisschen Rodeln taugte.

Und dann gab es noch
den Mont Klamott
mit der sogenannten Todesbahn,
wo man dann tatsächlich
auf ganz andere Geschwindigkeiten
kommen konnte,
weil man einen Höhenunterschied
von 40 bis 50 Metern hatte,
während das am Weinbergsweg
vielleicht drei Höhenmeter waren.

Das hat dann wirklich großen Spaß gemacht,
und ich war dann bestimmt so bis zwölf
mit dem Schlitten im Winter
immer unterwegs
und bin rodeln gewesen.

Leider ist er in meinen mehrmaligen Umzügen in Berlin
verloren gegangen.

Zugriffe gesamt: 3