Sehen
Erinnerungen an eine Winterübung
Während meiner Armeezeit
musste ich auch an Übungen teilnehmen.
Eine fand im Winter statt,
und ich war zu dem Zeitpunkt
beim Stab angestellt.
Ich war dem Politkommissar zugeteilt
und sollte den Soldaten
ideologischen Beistand
während der Übung leisten.
Was natürlich bedeutete,
dass ich die ganze Zeit
in irgendeiner Ecke rumsaß
und nichts weiter zu tun hatte.
Ich hatte aber mein eigenes Arbeitsmittel,
einen sogenannten KFE-Anhänger.
In diesem Anhänger gab es einen Fernseher
und allerlei Material,
das man benötigte,
um Soldaten ideologisch zu erziehen
und zu beeinflussen.
Dieser KFE-Anhänger war gleichzeitig
mein Schlafzimmer.
Ich konnte mich gerade so
auf den Fußboden legen –
meine Füße waren dann unten am Tisch
und mein Kopf berührte die Eingangstür.
Es war zu diesem Zeitpunkt arschkalt,
gefühlt minus zwanzig Grad.
Der Boden auf dem Übungsgelände,
wo wir kampierten,
war steinhart gefroren.
Gott sei Dank gab es
einen kleinen Stromgenerator,
den ich mit Benzin füllen konnte,
und dann hatte ich für zwei Stunden Strom.
In meinem KFE-Anhänger hatte ich auch
einen elektrischen Heizlüfter,
der im Prinzip wie ein Föhn funktionierte –
so etwas hat man heutzutage auch.
Mein Problem war, dass dieser Stromgenerator nur einen Tank
für zwei Stunden hatte.
Benzin hatten wir ohne Ende,
aber ich musste alle zwei Stunden
den Tank auffüllen,
sonst ging der Motor aus.
Das hieß: Nachts in meinem KFE-Anhänger
hatte ich es schnell warm,
aber ich hatte nur ein Zeitfenster
von zwei Stunden zum Schlafen.
Dann ging der Generator aus,
mein Heizlüfter ging aus,
und spätestens zehn Minuten später
fing ich an zu frieren.
Und das, obwohl ich eine dicke wattierte Uniform
und lange Unterhosen anhatte.
Also musste ich wohl oder übel aufstehen,
Benzin nachgießen,
den Motor wieder anschmeißen –
und dann konnte ich zwei Stunden weiterschlafen.
Das war extrem frustrierend.
Wir waren froh, als wir nach zwei Tagen wieder ins Objekt
einrücken konnten
und diesen verdammten kalten Winter
draußen lassen durften.
Als wir wieder in zentralgeheizten Zimmern saßen,
erschien uns die Soldatenbude
wie ein wunderbarer Ort –
und nicht wie ein beschissener Armeestützpunkt.