Sehen

Erinnerungen an Felix

Sandro Mohn

Nachdem meine Katze verstorben war,
während ich bei der Armee war,
war mein Leben einige Zeit natürlich katzenfrei.

Es gab dann eine kurze Episode Anfang der 90er,
als meine Großmutter mir einen kleinen Kater überreichte,
der irgendwie von seinen menschlichen Eltern verstoßen worden war
oder jedenfalls in Not war.

Ich nahm diesen Kater bei mir auf
und nannte ihn Susdal.

Dieser Kater entwischte mir aber in einem Urlaub,
als meine Großmutter auf ihn aufpassen sollte.

Der Kater rannte irgendwie aus der Wohnung heraus,
und sie konnte nicht schnell genug reagieren.

Er ward nicht mehr gesehen.

Allerdings hatte mir dieser Kater Flöhe eingebrockt,
die, solange der Kater da war,
auch auf den Kater gingen.

Nun war der Kater weg,
und ich hatte schon wieder das Floh-Problem – überall zerstochen.

Erst ein Kammerjäger vertrieb mir dann die Flöhe.

Dann war ich wirklich über ein Jahrzehnt ohne Katzen.

Erst über eine meiner Ex-Freundinnen kam ich wieder in den Besitz von Katzen.

Sie hatte einfach mit einer Freundin geschwatzt,
und ich glaube, es war so eine Art Kinderersatz.

Jedenfalls gab diese Freundin ihre zwei Kater ab,
weil sie viel in der Welt rumreiste.

Meine damalige Freundin war dann der Meinung,
diese beiden Kater aufzunehmen,
was sie auch einfach machte,
ohne mit mir da großartig zu sprechen.

Jedenfalls waren plötzlich zwei Kater da.

Der eine, Oskar, hatte den anderen, Felix,
sehr unter seiner Fuchtel.

Aber die Umstellung muss ihm nicht bekommen sein.

Jedenfalls mussten wir ihn nach zwei Monaten einschläfern lassen,
weil er krank geworden war
und seine Bauchspeicheldrüse sich selbst verdaut hatte.

Das war schon sehr tragisch.

Felix fing an aufzublühen,
als er merkte,
dass der andere Kater ihn nicht mehr dominieren konnte.

Er wurde sehr selbstbewusst
und hat sich den Raum erobert,
von dem er glaubte,
dass er ihm zusteht.

Da wir aber dachten,
dass ein Kater alleine nicht so leben sollte,
haben wir ein neues Kätzchen als Spielgefährten gesucht.

Da ich immer einen rothaarigen Kater haben wollte,
war es dann auch einer.

Felix reagierte aber sehr ungehalten,
als er merkte,
dass wir einen neuen Kater besorgt hatten.

Er nahm uns das ungeheuer übel
und hatte den Anderen auch angefaucht.

Aber Felix war eigentlich ein sehr lieber Kater.

Nach zwei Tagen hatte er seinen neuen Spielgefährten ins Herz geschlossen
und schleckte ihn ab.

Uns gegenüber war er allerdings noch lange Zeit sehr kritisch eingestellt
und hat uns das nicht so einfach verziehen.

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