Sehen

Erinnerungen an Gran Canaria

Sandro Mohn

Im Jahr 2004 machte ich
nach langen Jahren
meinen ersten Urlaub wieder.

Ich hatte etwas Geld mittlerweile verdient
und meine damalige Freundin bestand darauf,
im Sommer wegzufahren.

Nun, alleine in den Urlaub zu fahren
ist so eine Sache,
aber zu zweit macht es eigentlich großen Spaß
und ich dachte mir,
warum auch nicht,
lange genug hast du den Sommer in Berlin verbracht
und hast dir keinen Urlaub gegönnt,
warum also nicht wegfahren?

Ich fand die Idee also sehr gut
und ich ging dann in ein Reisebüro,
das war eine Zeit,
in der man noch nicht großartig
im Internet seinen Urlaub buchte,
so etwas wie Airbnb gab es damals noch nicht
und ließ mir dort ein Prospekt aushändigen
und dann überlegten wir,
wohin wir fliegen sollten,
ob nach Kreta
oder Teneriffa
oder Gran Canaria
und wir entschieden uns dann
für Gran Canaria,
für das Ressort Flamboyan,
das auf Deutsch so viel heißt wie Flammenbaum,
wenn mich nicht alles täuscht.

Das war eine wunderschöne Anlage
und wir hatten dann ein großes Zimmer
mit einer eigenen Küche
und es gab auf diesem Ressort auch drei Pools,
einen davon sogar mit Bar,
und wir flogen für eine ganze Woche hin.

Wir konnten auch dort vor Ort
uns einen Wagen mieten
und sind dann auch eine ordentliche Tour
durch die Insel gefahren
und haben feststellen können,
dass es eine wirklich reizvolle Landschaft ist
mit Bergen,
mit Tälern,
ganz unterschiedlichen Vegetationen
und Landschaften.

Der Atlantik selbst
ist auch unglaublich machtvoll als Meer
und hat viel mehr Power
als das Mittelmeer
oder die Ostsee,
was ich bis dahin nur kannte.

Das merkte ich an einer Welle,
die nicht großartig auf mich zuschwappte
und mich dann aber mit einer Wucht
an den Strand schleuderte,
dass ich danach noch Stunden später merkte,
dass im Prinzip meine gesamte Hose voller Sand ist,
die ich durch diese Wucht abbekommen hatte.

Auf dem Rückflug wurden wir dann
in ein Hotel zeitweilig einquartiert,
weil unser Flieger nicht fliegen konnte.
Ein Ersatzteil musste aus Deutschland herangeschafft werden,
was zur Folge hatte,
dass sich unser Abflug also um einen halben Tag verzögerte.

Die Gesellschaft, die den Urlaub organisiert hatte,
hat uns dann ein kostenloses Hotel
mit Essen besorgt
und wir konnten dann noch ein bisschen
in der Stadt rumlaufen
und uns die Hauptstadt von Gran Canaria anschauen.

Das, was mich am meisten verwundert hatte,
dass es dann noch Gäste gab,
die sich darüber beschwert hatten,
dass wir nicht fliegen konnten.

Und ich dachte mir aber,
mein Gott,
es ist doch hervorragend,
wenn man ein Flugzeug repariert,
anstatt pünktlich abzuheben,
nur um dann irgendwo abzustürzen,
weil das Flugzeug nicht flugfähig ist.

Ich verstehe manchmal die Deutschen nicht.

Aber irgendwann wurde uns dann gesagt,
wir können wieder zum Flughafen
und dann ging es ab nach Hause.

Ich habe 20 Jahre später
im Internet mal recherchieren können,
was aus dieser Hotelanlage geworden ist.

Und ich glaube, sie wird nicht mehr betrieben.

Ich habe sie aber identifizieren können,
weil ich noch Fotos hatte,
aus denen ich dann die Umgebung rekonstruieren konnte.

Und das Hotel ist, glaube ich,
mittlerweile verwaist
und eine Bruchbude.

Was ich schade finde,
denn die Zeit,
die ich dort verbracht hatte,
war wirklich sehr angenehm.

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