Sehen

Erinnerungen an Jeans

Sandro Mohn

Mode war im Osten ein ständiges Problem,
und da Jeans modern waren,
waren Jeans ein extra großes Problem.

Ganz am Anfang waren sie verpönt,
weil aus dem Westen,
obwohl Jeans ja eigentlich eine Arbeiterkleidung sind
und der Osten sich als Arbeiterstaat verstanden hat.

Gut, das hat er irgendwann eingesehen
und fing dann Mitte der 70er Jahre an,
auch im Osten Jeans anzubieten.

Das Interessante ist,
dass die ersten Jeans aus sehr gutem Stoff hergestellt waren,
weil sie importiert waren.

Die späteren Jeansstoffe waren selbst hergestellt,
und irgendwie sah man das auch.

Das andere große Problem waren die Schnitte der Jeans.
Die Mode hinkte immer hinterher.

Als die DDR genügend Jeans mit Schlaghosen herstellte,
waren Schlaghosen gar nicht mehr modern.

Es gab dann zum Beispiel Jeans,
wo unten am Hosenbein,
am unteren Saum,
ein Reißverschluss eingenäht war –
das war ein Nonplusultra,
wenn man das hatte.

Sozusagen ein halber Reißverschluss,
sodass die Zacken nach unten zeigten.

Dann waren Röhrenjeans angesagt.

Und als die DDR Röhrenjeans in genügender Anzahl herstellte,
war schon wieder die Karottenjeans angesagt.

Als die Karottenjeans angesagt war
und die DDR genügend davon hergestellt hatte,
war auch das schon wieder out.

Endlos der aktuellen Mode hinterher.

Das konnte auch nicht funktionieren,
weil die DDR auf Planwirtschaft setzte
und die entsprechenden Schnitte
in einem Fünfjahresplan eingeplant werden mussten.

Damit hinkte man einfach hoffnungslos hinterher.

Man hat die Jeans auch erkannt,
und wer eine Ostjeans trug,
war zumindest in Berlin
nicht gerade als trendy angesagt.

Es gab noch etwas Interessantes bei den Jeans.

Jeans hatten hinten auf der Gesäßtasche ein Emblem aufgenäht,
und als Kind hatte man die Angewohnheit,
anhand des aufgenähten Emblems zu erkennen,
um was für eine Jeansmarke es sich handelte.

Zum Beispiel das W für Wrangler,
und Levi's hatte auch wiederum ihre eigene gestickte Marke
hinten auf der Hosentasche.

Die Ostjeans hatten so etwas auch,
und wie gesagt,
das hat man sofort erkannt.

Obwohl von den Marken vielleicht Goldfuchs
sogar noch den besten Schnitt
und den besten Stoff hatte –
aber zum Beispiel die Boxer-Jeans,
das war zu Ostzeiten ein No-Go,
und wer damit rumlief,
konnte bei den Frauen nicht punkten.

Nein, das musste schon eine Wrangler,
eine Pioneer oder eine Levi's sein.

Dann war man ein Mode-Gott.

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