Sehen
Erinnerungen an Magdalena
Sie hieß Magdalena.
Eine bemerkenswerte Frau.
Sexuell eine der aktivsten,
die ich kannte.
Es ist nicht gelogen zu sagen:
Sie war eine Frau,
die jeden Mann an die Wand fickte.
Dabei war sie treu.
Eine treue Nymphomanin.
Eine Frau,
die von einem Mann
sämtliche sexuelle Energie verlangte,
die er zu geben imstande war –
und darüber hinaus.
Magdalena war in der Lage,
stundenlang zu ficken.
In den verschiedensten Varianten,
in den verschiedensten Stellungen,
alle Löcher.
Es gab nichts,
wozu sie nicht bereit gewesen wäre.
Hauptsache, sie bekam ihre Orgasmen.
Und ja, ich rede von Mehrzahl.
Ich habe noch nie erlebt,
dass eine Frau hintereinander
zwölf, dreizehn, vierzehn Orgasmen bekommt.
Wenn ich mit meiner Hand in ihrer Möse war,
konnte ich einen riesigen G-Punkt entdecken.
Dieses Teil war förmlich rau,
und ich konnte spüren,
wenn es zu Kontraktionen kam.
Ich konnte diesen Punkt auslösen,
sowohl in der Vagina
als auch über den Anus.
Es spielte keine Rolle.
Sie hatte mir am Telefon,
als ich sie kennenlernte,
schon gebeichtet:
Nicht sie die Geilheit hat,
sondern die Geilheit hat sie.
Sie war wirklich im Würgegriff
der Sucht nach Orgasmen.
Das Problem ist als Mann,
dass man sich irgendwann –
so sehr es am Anfang
die Erfüllung der heimlichsten Wünsche ist –
doch vorkommt,
als wäre man ein lebender Dildo.
Ich konnte nach Hause kommen
und sagen:
„Hey Magdalena, ich will dich ficken.“
Schon machte sie die Beine breit.
Da gab es keine Widerrede,
sondern im Gegenteil,
sie hätte mir eine runtergehauen,
wenn ich es nicht gesagt hätte.
Ich bekam eine Lungenentzündung.
Sie verlangte von mir,
dass ich sie ficke.
Ich sagte, ich kann nicht,
ich bin krank.
Und wer mal eine Lungenentzündung hatte,
weiß, dass einem danach nach allem ist,
aber nicht nach Sex.
Man will gesund werden.
Ich bin ins Krankenhaus gekommen.
Und sie hat mir am Telefon Vorhaltungen gemacht,
warum ich sie vernachlässige.
Das war, wie gesagt,
am Anfang ganz nett,
aber irgendwann artete es
in einen Zwang aus.
Darüber hinaus war sie der Meinung,
nicht verhüten zu müssen,
weil sie das auf natürliche Art und Weise könne.
Was natürlich Unfug war,
und sie wurde schwanger
und trieb ab.
Es war die siebte Abtreibung.
Das heißt,
das erste Kind hat sie tatsächlich ausgetragen,
und danach ist sie noch sieben Mal schwanger geworden –
inklusive durch mich –
und hat jedes Mal abgetrieben.
Die Abtreibung war dann auch irgendwo
das Ende unserer Beziehung.
Obwohl wir es nicht ausgesprochen hatten,
es war wirklich ein Bruch.
Und ich glaube, ich war froh.
Wir haben uns zwar noch ab und zu danach
mal zu Sex getroffen,
aber wir wussten,
das ist nur Spielerei
und hat nichts mehr mit einer Beziehung zu tun.
Ob es ihr heute noch so geht
oder ob sie ihren Sextrieb in den Griff bekommen hat,
kann ich nicht sagen.
Ich habe sie schon lange nicht mehr gesehen.