Sehen
Erinnerungen an mein erstes Motorrad
Ich hatte während meiner Lehre ja die Möglichkeit,
einen Motorradführerschein zu erwerben,
und ich habe es verkackt.
Das war dann auch der Grund,
dass ich bei der Armee kein Kradmelder wurde,
wie eigentlich vorgesehen,
sondern in eine Flugzeugkompanie gesteckt wurde.
Während der Armeezeit dort in der Flugzeugkompanie hatte ich dann später,
als ich in der Politabteilung arbeitete,
die Möglichkeit,
und auch später beim Hauptfeldwebel als Spieß,
in der Garnisonsstadt noch mal einen Führerschein zu beantragen.
Ich habe dort auch die theoretische Prüfung bestanden,
ich habe dort einen Erste-Hilfe-Schein gemacht,
und es sollte fast losgehen,
dass ich praktische Übungen mache
und dann auch meine praktische Prüfung ablege.
Aber dann wurde mir kurzfristig das alles gestrichen,
weil ich ja degradiert wurde.
Mein Problem war: Ich hatte mir kurz vor Ende meiner Armeezeit ein Motorrad gekauft,
von einem Soldaten aus meinem Regiment.
Ich hatte mir das Geld von Unteroffizier Feldmann geliehen,
der in meiner Nähe wohnte,
bis ich im Urlaub an mein eigenes Geld kam –
aus dem Erbe meines Vaters –
und es dem Unteroffizier zurückgeben konnte.
Das Motorrad war wunderschön blau.
Ich hatte ihm dann auch das Geld wieder zurückgegeben,
nachdem ich im Urlaub an mein Konto gekommen war.
Aber jetzt passierte Folgendes:
Ich bin kurze Zeit später wieder in den Urlaub gefahren,
weil ich noch sehr viele Urlaubstage hatte
und die Entlassung ja fast kurz bevorstand.
Ich komme aus dem Urlaub wieder,
und ich fragte dann im Zimmer,
was es für Neuigkeiten gibt.
Da sagt man mir: Unteroffizier Feldmann ist gestorben.
Er ist im Ausgang zu einer Flamme gefahren
und ist dann auf dem Weg zurück ins Objekt gegen einen Baum gefahren,
vermutlich übermüdet.
Tragisch, weil er noch ein halbes Jahr bei der Armee gehabt hätte
und wäre dann entlassen worden.
Die Offiziere brachen daraufhin seinen privaten Spind auf,
weil ja die Sachen rausgeholt werden mussten.
Und man entdeckte dann noch darin diesen Kreditvertrag.
Wir hatten es nicht reingeschrieben,
dass ich ihm das Geld zurückgegeben habe.
Jetzt sagten die zu mir:
Ja, da sind ja noch 3000 Mark offen.
Ich sagte: Nee, ich habe ihm das Geld zurückgegeben.
Dann musste ich eine eidesstattliche Erklärung unterschreiben,
dass ich ihm das Geld zurückgegeben habe,
und dann wurde ich entlastet.
Mein Problem war: Ich hatte jetzt vor dem Armeeobjekt ein Motorrad stehen
und hatte aber keinen Führerschein
und wurde entlassen.
Gott sei Dank hat ein anderer Unteroffizier – nennen wir ihn Hartmann –,
der einen Führerschein hatte,
mir dann das Motorrad Richtung Heimat gefahren.
Er wohnte in Oranienburg am Rand von Berlin.
Wir hatten unsere privaten Sachen auf das Motorrad geschnallt,
und ich saß auf der Rückbank.
Dann konnte ich mit der S-Bahn zu mir nach Hause fahren,
und ein anderer Freund hat mir das Motorrad dann vom Rand von Berlin nach Berlin reingefahren.
Der Witz an der ganzen Angelegenheit ist:
Der Kumpel, der mir das nach Berlin reingefahren hat,
hat es dann auf seinem Grundstück abgestellt.
Und ich bin dann nach der Wende nicht mehr großartig zum Führerscheinmachen gekommen,
sodass ich also 3000 Mark für ein Motorrad bezahlt habe,
das ich dann nie in meinem Leben gefahren habe.
Das Motorrad hat sich dann in Luft aufgelöst.
Ich hatte mich ja auch jahrelang nicht darum gekümmert.
Meinen Motorradführerschein habe ich dann erst zwanzig Jahre später gemacht.
Und ich bin ein guter Fahrer geworden,
was ich nicht gedacht hatte.