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Erinnerungen an meine dffb-Bewerbung

Sandro Mohn

Nachdem mein Unternehmen pleite gegangen war
und nachdem ich auch an der Humboldt-Uni exmatrikuliert war,
stand ich vor der Herausforderung,
was mache ich jetzt?

Und eine Idee war dann,
dass ich mich bewerbe
für die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin,
wo man lernt,
Drehbücher zu schreiben
und Regie zu führen
und eine Filmproduktion zu starten.

Also in der Berliner Hochschule
war es ein Allround-Studium.
Im Gegensatz zu Babelsberg,
wo man sehr spezialisiert
auf das Filmgeschäft vorbereitet wurde.

Interessanterweise waren beide Hochschulen
gar nicht weit voneinander entfernt,
jedenfalls zum damaligen Zeitpunkt.

In den frühen 90ern,
da befand sich die DFFB noch,
ich glaube,
am Ernst-Reuter-Platz,
in der Nähe auch,
wo das Hochhaus des SFB stand oder steht.
Das Haus steht ja immer noch.

Ich habe mir eine Filmbesprechung ausgesucht,
die man der Bewerbung beilegen sollte.
Und ich Idiot war so ehrlich,
mir den Film Back to the Future
von Robert Zemeckis herauszusuchen,
den ich als einen absolut brillant geschriebenen Film empfand.

Und die Geschichte gibt mir recht,
weil dieser Film heute doch Kultstatus hat.
Ich glaube,
das war 1991 noch nicht so absehbar,
welchen Kultstatus der Film 30 Jahre später haben wird.

Von daher freue ich mich,
dass meine Einschätzung richtig war,
was den Film betrifft.

Aber was die Aufnahme an die DFFB betrifft,
war es natürlich ein vollkommener Griff ins Klo,
weil dort man vergeistigte Filme bevorzugte.

Bei der Aufnahmekommission
hatten ja nicht nur die Professoren
ein Wörtchen mitzureden,
sondern auch die Studenten durften mitentscheiden.

Also es gab sozusagen ein Gremium
von Professoren oder Doktoranden,
die dort Vorlesungen hielten
und Studenten,
die dann sozusagen
über die neuen Studenten entscheiden durften.

Die Ausländerquote war auch recht hoch,
was dort angenommen wurde.
Es tummelten sich also sehr viele Spanier,
Chilenen,
Franzosen,
Amerikaner herum.

Deutsche gab es auch,
aber ich sage jetzt mal,
gemessen an der Einwohnerzahl
waren Ausländer doch sehr stark vertreten.

Also man hat versucht,
diesen Studiengang sehr international zu halten,
ob jetzt bewusst oder unbewusst.

Wahrscheinlich war das aber eher
eine bewusst von Senats- oder von Universitätsseite
favorisierte Variante.
Ich habe es nicht bereut,
dass ich nicht genommen wurde.

Ich habe mir dann später gesagt,
ach sei was drum
und bin hingegangen
und habe gefragt,
ob ich nicht als Gasthörer teilnehmen darf,
was dann genehmigt wurde.

Und ich konnte halt nur
an den Veranstaltungen teilnehmen,
wo kein Geld geflossen ist.

Also ich sage jetzt mal,
irgendwelche Drehtage durfte ich nicht mitmachen.
Aber das war auch gar nicht so wichtig für mich.

Mich hat die Theorie interessiert
und das habe ich dann auch erhalten.

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