Sehen
Erinnerungen an meine Gasthörerzeit
Nachdem meine Bewerbung bei der DFFB ja gescheitert war,
hatte ich mich entschlossen,
einfach bei der DFFB vorbeizufahren
und nachzufragen,
ob ich mich nicht als Gasthörer
in die Seminare hineinsetzen könnte.
Das, was für mich in Frage kam
zu dem damaligen Zeitpunkt,
war erstmal Einführung in die Dramaturgie
und das bestand aus einem theorielastigen Teil,
wo wir uns hinsetzten
und der Professor uns erklärte,
wie Dramaturgie funktioniert.
Und er fing dann halt mit Aristoteles an
und der Poetik,
die ja auch ganz witzigerweise
in dem Buch Der Name der Rose
von Umberto Eco eine Rolle spielt.
Und da kam er aber später drauf zurück
und zwar,
das war das andere Seminar,
das ich an der DFFB dann machte,
und zwar die Einführung in die Komik,
als wir uns also direkt
mit dem Komischen beschäftigten.
Und in dem Buch Der Name der Rose
geht es ja um das angebliche Buch von Aristoteles,
was nicht existiert,
jedenfalls nicht überliefert,
wo sich Aristoteles
mit der Komödie auseinandersetzt.
Und das erwähnte er natürlich dann auch
in dem Seminar Das Komische,
also das Buch von Umberto Eco
als auch eben diese ominöse Schrift von Aristoteles.
Aber wir haben auch die anderen Dramaturgieformen durchgenommen,
also die archaische Dramaturgie,
beziehungsweise gab es ja noch die Dramaturgie von Tschechow,
genau,
und Meyerhold.
Aber es war halt ich würde sagen,
nur eine erste Einführung,
auch wenn es hochinteressant war.
Nachdem diese beiden Blockseminare vorbei waren —
wir kamen jeden Tag
über einen Monat lang
an die Uni —
wollte ich aber noch mehr
zu diesem Thema,
und dann blieb mir nichts weiter übrig,
weil die anderen Seminare immer
mit Geldausgaben verbunden waren,
also mit praktischen Dingen,
die ich als Gasthörer
nicht hätte machen können.
Und dann ging ich also
zur Babelsberger Filmschule Konrad Wolf
und habe mich dann dort
in das Seminar Dramaturgie,
das heißt eigentlich Theaterdramaturgie,
als Gasthörer eingeschrieben.
Und das war dann einmal alle 14 Tage,
ein ganzer Tag,
wo wir dann auch wirklich
die Stücke uns
zu den entsprechenden Autoren
durchgelesen haben
und durchgearbeitet haben,
von Goethe über Strindberg,
Heiner Müller,
Bertolt Brecht,
Hebbel,
also im Prinzip
die gesamte Theaterweltliteratur,
Pirandello
und wen es da nicht alles gab.
Und ich habe wirklich
hochinteressante,
spannende Erfahrungen
auf diesen Gebieten machen können,
die mir später dann doch
stark geholfen haben.